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Wahlen - Erfurt

CDU bleibt stärkste Kommunalpartei: AfD auf Rang zwei

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Erfurt (dpa/th) - Verluste für Linke, CDU und SPD, kräftige Stimmengewinne für die AfD - der Trend der Europawahl setzt sich bei den Kommunalwahlen in Thüringen fort. Nach Auszählung von etwa 90 Prozent der Stimmbezirke für die Kreistagswahlen und die Parlamente der sechs kreisfreien Städte behauptete sich die CDU als stärkste Kommunalpartei mit 28,2 Prozent. Während die AfD der CDU bei der Europawahl dicht auf den Fersen war, wird sie jedoch bei der Kommunalwahl mit 18,1 Prozent mit deutlichem Abstand zweitstärkste Kraft.

Erstmals trat die AfD bei den Kreistagswahlen, die für den Landestrend der Kommunalwahlen sorgen, flächendeckend an. AfD-Landschef Björn Höcke, der dem rechtsnationalen AfD-Flügel angehört, bewertete das Abschneiden als zweitstärkste Partei bei beiden Wahlen als Rückenwind für die Landtagswahl am 27. Oktober.

Das größte Minus verbuchte bei dem hohen Auszählungsstand - wie schon bei der Europawahl - die Linke, die mit Bodo Ramelow den Ministerpräsidenten stellt. Sie verlor bei den Kreistagswahlen 8,2 Punkte auf 13,7 Prozent. Die SPD kam bei dem Zwischenstand auf 12,9 Prozent, 5,4 Punkte weniger als bei den Kreistagswahlen vor fünf Jahren. SPD-Hochburg war Gotha. Von den Parteien der rot-rot-grünen Regierungskoalition in Thüringen konnten nur die Grünen zulegen - 2,0 Punkte auf 7,0 Prozent.

Die AfD erzielte ihren Spitzenwert wie bei der Europawahl in Thüringens drittgrößter Stadt Gera. Bei der Stadtratswahl holte sei 28,8 Prozent der abgegebenen Stimmen und wurde damit stärkste politische Kraft.

Der Leipziger Politologe Hendrik Träger hält es für wahrscheinlich, dass auch frühere Linke-Wähler im Freistaat ins AfD-Lager wechselten. "Die Verluste der Linke spiegeln sich ja nicht bei einer anderen Partei im Mitte-Links-Spektrum wieder", sagte Träger der Deutschen Presse-Agentur. Daher sei es wahrscheinlich, dass die Linke Wähler an die AfD verloren habe. Für CDU, Linke und SPD sei die Europawahl in Thüringen ein Alarmsignal.

Bei der Europawahl lag die Wahlbeteiligung deutlich höher als vor fünf Jahren. Nach Auszählung aller Stimmbezirke betrug sie 61,6 Prozent. 2014 hatte sie bei nur 51,6 Prozent gelegen. Bei der Kommunalwahl zeichnet sich ebenfalls eine höhere Beteiligung als vor fünf Jahren ab.