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Verteidigung - Wilhelmshaven

Multitalent-Fregatte in Dienst gestellt

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Wilhelmshaven (dpa) - Mit über vierjähriger Verspätung hat die Marine die neue Fregatte "Baden-Württemberg" in Dienst gestellt. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte am Montag bei einer feierlichen Zeremonie in Wilhelmshaven, es handele sich um eines der modernsten Marineschiffe auf den Weltmeeren. "Es war ein langes Stück Wegstrecke bis zu diesem Tag", sagte sie mit Blick auf die lange Verzögerungszeit. Bis Ende 2020 sollen die drei Schwesterschiffe folgen und das Quartett komplett sein.

Das rund 150 Meter lange Schiff der F125-Klasse kommt aufgrund des hohen Automatisierungsgrades mit deutlich weniger Stammbesatzung als die Vorgängerschiffe aus und kann bis zu zwei Jahre im Einsatzgebiet bleiben, ohne für größere Wartungsarbeiten nach Deutschland zurückkehren zu müssen. Dadurch entfallen zeitaufwendige Transitfahrten. Das Schiff sei ein echter Allrounder und ein "Multitalent", sagte von der Leyen.

Die Fregatte kommt aufgrund des hohen Automatisierungsgrades mit rund 120 Mann Stammbesatzung aus. Es gibt insgesamt acht rotierende Besatzungen für die vier Schiffe. Die Einsatzdauer der Crews soll vier Monate nicht überschreiten. Das neue Konzept der nach dem Erstschiff benannten "Baden-Württemberg"-Klasse schone die Schiffe und entlaste Soldatinnen und Soldaten und ihre Familien, sagte die Ministerin.

In diesem Jahr soll außerdem noch die Fregatte "Nordrhein-Westfalen" fertig werden. 2020 sollen dann die Schwesterschiffe "Sachsen-Anhalt" und "Rheinland-Pfalz" folgen. Der Gesamtauftrag hat ein Volumen von 3,1 Milliarden Euro.

Der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Rainer Brinkmann, sprach von einem guten Tag für die Marine. Erstmals seit Ende des Kalten Krieges wachse die Marine wieder. Und: "Bis 2030 wird die Flotte weiter wachsen."

Das Mehrbesatzungsmodell helfe dabei, Seefahrt und Familie besser auszubalancieren. Dem High-Tech-Schiff stehen nun noch viele Ausbildungs- und Probefahrten bevor. Erst nach der Zertifizierung - vermutlich Ende 2020 - kann es an Einsätzen teilnehmen.

An Bord ist Platz für zwei Helikopter. Vier schnelle Einsatzboote können von der Längsseite des Rumpfes ins Wasser gelassen werden. Die neue Fregatte ist ausgerüstet unter anderem mit fünf Maschinengewehren, zwei Nahbereichsflugabwehrsystemen und einem 127-Millimeter Marinegeschütz, der größten Rohrwaffe, die derzeit auf einem Marine-Schiff installiert ist.

Gebaut wurde die Fregatte von der Arbeitsgemeinschaft ARGE F125, sie besteht aus dem federführenden Unternehmen ThyssenKrupp Marine Systems (80 Prozent) und der Lürssen Werft (20 Prozent).