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Verteidigung - Berlin

"Gorch Fock": Kritik für "Museumsschiff"-Vorschlag

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Berlin/Kiel (dpa) - SPD, Grüne und Bundeswehrverband haben den Vorschlag von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kritisiert, das Segelschulschiff "Gorch Fock" bei einer weiteren Kostensteigerung zum Museumsschiff zu machen. Nur das Parlament könne entscheiden, wie es mit dem Schiff weitergehe, sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Wolfgang Hellmich (SPD), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). "Das Parlament hat viel Geld bereitgestellt, um die Gorch Fock wieder hochseetauglich zu machen. Für ein Museum war dieses Geld nicht bestimmt."

Am Montag hatte von der Leyen klargestellt, dass die zuständige Werft bis zum Sommer sagen müsse, ob mit denen in Aussicht gestellten 135 Millionen Euro eine Sanierung möglich sei. "Wenn es nicht gelingt, dann wird die Gorch Fock ein Museumsschiff sein", sagte sie. Bislang war es zu einer Kostenexplosion von 10 auf bis zu 135 Millionen Euro gekommen, wovon bisher knapp 70 Millionen Euro bezahlt wurden.

"Es ist immer schön, einen Kostenrahmen zu haben, aber wie dürfen wir uns das vorstellen?" kritisierte der SPD-Landtagsabgeordnete Kai Dolgner in Kiel. Wenn die 135 Millionen ausgegeben seien, werde dann die Sanierung gestoppt, auch wenn nur noch eine Million Euro fehle, und werde dann für 100 Millionen Euro ein Neubau bestellt? Von der Leyen solle endlich eine transparente Kostenrechnung vorlegen, was es kosten würde die Gorch-Fock fertigzubauen und was alternativ ein neues Schiff kosten würde. "Ich hoffe, dass sie das kann, sonst ist sie eine Fehlbesetzung", sagte Dolgner.

Auch die Grünen reagierten skeptisch auf den neuen Vorstoß. "Eine Gorch Fock als Museumsschiff haben wir bereits in Stralsund", sagte der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen, Tobias Lindner. Gemeint ist das dort liegende Vorgängerschiff mit gleichem Namen. Unterdessen begrüßte Lindner, dass von der Leyen "offenbar nicht mehr krampfhaft" daran festhalte, die "Gorch Fock" um jeden Preis sanieren zu wollen.

Der Vorsitzende der Marine im Deutschen Bundeswehrverband, Marco Thiele, betonte, dass es weiterhin die Möglichkeit zur Ausbildung von Seeoffizieren auf dieser Weise geben müsse. "Das Verteidigungsministerium muss darlegen, wie diese Fähigkeit zukünftig und langfristig erhalten bleibe", forderte Thiele.