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Regierung - Mainz

Traubeneiche statt Fichte: Waldbesitzer einig im Klimawandel

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Mainz (dpa/lrs) - Angesichts der Klimakrise haben alle Waldbesitzer in Rheinland-Pfalz eine enge Zusammenarbeit vereinbart: Kurzfristig hilft das Land den kommunalen und privaten Waldbesitzern beim Ausgleich von Schäden durch Trockenheit und Borkenkäfer. Langfristig sollen Wälder besser an höhere Temperaturen angepasst und in ihrer Funktion als CO2-Speicher gestärkt werden.

"Die Erde hat Fieber und der Wald hat Atemnot - das ist keine Übertreibung", sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) vor der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung am Dienstag in Mainz. Starkregen, Hitze, Trockenheit und Borkenkäfer hätten im Wald Spuren hinterlassen. Die Landesregierung hat bereits im Mai Gemeinden, Kreisen und privaten Besitzern Unterstützung für den Ausgleich von Schäden zugesagt - 3,5 Millionen Euro in diesem und im nächsten Jahr. Für den Ausgleich von wirtschaftlichen Schäden im Staatswald sind schon jährlich sieben Millionen Euro im Landeshaushalt vorgesehen.

Kommunen und Privatbesitzer verpflichten sich dazu, den Wald durch eine nachhaltige Forstwirtschaft anpassungsfähiger zu machen. "Mischwälder erweisen sich im Klimawandel als besonders anpassungsfähig und bieten Gewähr für die Erhaltung der Wälder und ihrer vielfältigen Funktionen, insbesondere der Artenvielfalt", heißt es in der Erklärung mit der Überschrift "Klimaschutz für den Wald - unser Wald für den Klimaschutz".

Die besonders massiv vom Borkenkäfer attackierte Fichte habe wohl keine bleibende Zukunft in Rheinland-Pfalz, sagte der Vorsitzende des Landkreistags, Günther Schartz (CDU), nach dem Treffen, an dem auch Naturschutzverbände wie BUND, Nabu und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald teilnahmen. Hingegen wird vor allem der Traubeneiche eine überdurchschnittlich gute Anpassungsfähigkeit zugetraut, wie im jüngsten Waldzustandsbericht des Landes dargestellt.

"Wir machen uns große Sorgen um den Wald und sehen Folgen der Klimaveränderung, die wir uns vor wenigen Jahren noch nicht vorstellen konnten", sagte Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne). Mit Wäldern und Holz würden in Rheinland-Pfalz jährlich 9,8 Millionen Tonnen CO2 vermieden, das entspreche einem Anteil von 26 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen des Landes. "Kaum vorzustellen, wenn der Wald diese Funktion nicht mehr wahrnehmen kann." Die gemeinsame Erklärung sei Auftakt einer regelmäßigen Zusammenarbeit: "Wir werden weiter diskutieren, wir werden Foren einrichten."

Für diesen Prozess bieten die Naturschutzverbände BUND und Nabu ihre Unterstützung an: Da die Erklärung in vielem noch vage sei, müsse sie für die Umsetzung konkretisiert werden. Als ökologische Bedingungen forderten beide Landesverbände unter anderem eine Festschreibung, welche standortgerechten Baumarten angepflanzt werden dürften. Außerdem müssten Standards für eine naturnahe Waldbewirtschaftung festgelegt werden wie der Verzicht auf Pestizide, eine möglichst schonende Holzernte und ein bestimmter Anteil von Flächen, die vollständig aus der Nutzung genommen werden.

Wald habe eine langfristige Bedeutung für das Gemeinwohl, sagte der Vorsitzende des Gemeinde- und Städtebundes, Aloysius Söhngen. "Für diese Gemeinwohlaufgaben brauchen wir öffentliche Mittel." Falls als Ergebnis der aktuellen Diskussion eine Art CO2-Steuer eingeführt werde, müsste ein wesentlicher Teil dieser Mittel dem Wald zugute kommen.

"Wir wünschen uns etwas mehr", sagte der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes für Rheinland-Pfalz, Christian Keimer. Als Soforthilfe sei die Unterstützung des Landes aber bedeutsam. "Es geht nicht um Schadensausgleich, es geht darum, der sozialen Funktion des Waldes auch in Zukunft nachkommen zu können."

Der Bund unterstützt die Bewältigung der Extremwetterfolgen im Wald über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK). Unter diesem Dach können die Länder jährlich fünf Millionen Euro für die Bewältigung von Waldschäden durch Extremwetterereignisse abrufen. Bundesministerin Julia Klöckner habe darauf hingewiesen, dass alle Länder innerhalb der regulären GAK auch Mittel zu Gunsten der Maßnahmen für den Wald umschichten könnten, teilte ein Sprecher am Dienstag mit.