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Parteien - Erfurt

Tiefensee warnt vor Stigmatisierung von Muslimen

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Erfurt (dpa) - Wenige Tage vor der Europa-Wahl kommt die Thüringer SPD wegen eines Streits über eine Lesung mit Thilo Sarrazin nicht zur Ruhe. SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee distanzierte sich am Rande der Lesung am Mittwoch in Erfurt erneut von der Veranstaltung und appellierte, die Folgerungen von Sarrazins Texten zu bedenken. "Es macht mir Sorge, was darauf folgen könnte, nämlich, dass wir Menschen allein wegen ihrer Ethnie, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion in eine Schublade stecken", sagte Tiefensee kurz vor Beginn der Lesung. Der nächste Schritt sei eine Stigmatisierung.

Sarrazin kam auf Einladung des Thüringer SPD-Landtagsabgeordneten und früheren AfD-Mitglieds Oskar Helmerich nach Erfurt, um sein islamkritisches Buch "Feindliche Übernahme" vorzustellen. Sarrazin sagte: "Wenn man Tatsachen anspricht, die unangenehm sind, grenzt man niemanden aus." Die Lesung des früheren Berliner Finanzsenators verfolgten rund 550 Menschen. Tiefensee wandte sich auch an das Publikum - begleitet von Zwischenrufen und Buhrufen.

Die Veranstaltung sorgt seit Monaten für Empörung innerhalb der SPD im Freistaat. Ein SPD-Kreisverband im Weimarer Land hatte dem Landtagsabgeordneten sogar nahegelegt, die Partei zu verlassen.

Tiefensee sagte vor den Zuhörern der Lesung, es gebe keine Schweigespirale. "Ich denke, es ist ein ganz hohes Gut, dass jeder seine Meinung sagen kann", betonte er. Zuvor hatte er sich gegen einen Parteiausschluss von Helmerich ausgesprochen. Die Thüringer Regierungskoalition von Linke, SPD und Grünen hat im Parlament nur eine Stimme Mehrheit.

Aktuell läuft ein dritter Anlauf der Sozialdemokraten, Sarrazin aus der Partei auszuschließen.