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Parteien - Chemnitz

Grünes Landtags-Spitzenduo: Habeck spricht vor Richtungswahl

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Chemnitz (dpa) - Geschlossenheit und ein klares Ziel: Die sächsischen Grünen gehen mit der Abgeordneten Katja Meier und Fraktionschef Wolfram Günther in den Landtagswahlkampf 2019. Nach 28 Jahren CDU-Regierung brauche es einen Wechsel, sagte Meier am Samstag in Chemnitz bei der Landesdelegiertenkonferenz in einer engagierten Bewerbungsrede für die Landesliste. Die 39-Jährige wurde mit fast 97,3 Prozent der Delegiertenstimmen zur Spitzenkandidatin gewählt. Günther erhielt knapp 91 Stimmen für Platz 2. Bis zum Abend wurden insgesamt 43 Kandidaten bestimmt - 22 davon Frauen.

Es brauche endlich eine andere politische Kultur, mehr Chancen für starke Frauen und eine soziale Politik für alle, umriss die aus Zwickau stammende Politikwissenschaftlerin Meier ihre Ziele. Der Wunsch nach einem Regierungswechsel sei auch ein Wunsch nach starken Grünen im künftigen Landtag.

Der Bundesvorsitzende Robert Habeck sah den Landesverband dafür gut gerüstet: "Ihr habt zwei bärenstarke Kandidaten: Katja aus dem Plattenbau und Wolfram von den Montagsdemos", spielte er auf die Bewerbungsreden von Meier und Günther an: "Zwei waschechte Sachsen und Bündnisgrüne". Meier hatte von ihrer Kindheit im Plattenbau und Günther von den Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 berichtet.

"Es ist eine Richtungswahl, wie sich die politische Demokratie in Deutschland weiterentwickelt", sagte Habeck mit Blick auf die Landtagswahl. "Es wäre großartig, wenn die Grünen in Sachsen mit ihrem Beitrag dafür sorgen, dass Demokratie wieder mutig, leidenschaftlich, zukunftsgerichtet und europäisch wird."

Die Landespartei rief der Grünen-Chef dazu auf, die Energie des Aufwinds der vergangenen Monate zu bewahren und zu nutzen. "Wir haben eine ungeheure Verantwortung, das erworbene Vertrauen nicht zu enttäuschen", mahnte er und verwies auf gewachsene Erwartungen und Hoffnungen der Wähler. Sonst gehe mehr als ein grünes Wahlergebnis verloren. Die Grünen könnten Zukunft gestalten und zuversichtlich sein - für eine ökologische und soziale, eine gesellschaftlich optimistische Ausrichtung der Politik.

Beim Abstimmungsmarathon schafften es dann auch die anderen sechs aktuellen Fraktionsmitglieder auf die Plätze drei bis acht der Landesliste: Claudia Maicher, Valentin Lippmann, Franziska Schubert, Volkmar Zschocke, Christin Melcher und Gerd Lippold.

Zu Beginn der Konferenz am Freitagabend hatten die Delegierten die inhaltliche Richtung des grünen Landtagswahlkampfes bestimmt. "Dieser Wahlkampf wird über die Haltung entschieden", heißt es in dem beschlossenen Leitantrag "Wir alle. Und noch viele mehr." Auf dem Spiel stehe die politische, demokratische Kultur: die Demokratie brauche eine Sauerstoff-Kur und frischen Wind. "Wir wollen Sachsen verändern für eine neue politische Kultur, für Werte des Miteinanders und in Verantwortung für die kommenden Generationen."

Die Landespartei sieht sich im Aufwind und strebt ein zweistelliges Ergebnis an. Unter den Kandidaten finden sich unter anderen Informatiker, Unternehmer in Rente, Lehrer, Studenten und Ingenieure. In einer Insa-Umfrage kam die Partei mit Anfang April auf 9 Prozent. Mit derzeit 2100 Mitgliedern ist der Landesverband so groß wie nie zuvor.