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Migration - Ingelheim am Rhein

Doppelt so viele Frauen in Abschiebehaft in Ingelheim

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Ingelheim (dpa/lrs) - Etwa jeder vierte Abschiebehäftling in Rheinland-Pfalz war im vergangenen Jahr nach Angaben der kirchlichen Hilfswerke Diakonie und Caritas eine Frau. Der Frauenanteil im Abschiebegefängnis Ingelheim habe sich 2018 von zuvor 12 auf 23 Prozent nahezu verdoppelt, teilte beide Organisationen am Dienstag mit. Diakonie und Caritas unterhalten seit 2001 eine ökumenische Beratungsstelle in dem Gefängnis.

Von 452 Haftfällen in Ingelheim wurde nach Angaben der Hilfswerke etwa die Hälfte von rheinland-pfälzischen Ausländerbehörden veranlasst. 65 Menschen wurden demnach über den Rechtshilfefonds der Hilfswerke unterstützt. In 20 Fällen erreichten die Anwälte eine Entlassung. In neun Fällen sei von Gerichten festgestellt worden, dass die Haft rechtswidrig gewesen sei.

"Die Verschärfungen im deutschen Aufenthaltsrecht führen dazu, dass den Behörden Abschiebungen wichtiger sind als der Schutzbedarf etwa von Schwangeren, Minderjährigen oder Kranken", kritisierte Diakonie-Vorstand Wilfried Knapp. "Auf sie wird immer weniger Rücksicht genommen." Er erinnerte an die letztlich gescheiterte Abschiebung einer schwangeren Frau im Oktober 2018, die stationär in der Uniklinik Mainz behandelt wurde. Bei Abschiebungen in einen EU-Staat aufgrund der Dublin-Regelung drohten Frauen neben Obdachlosigkeit und mangelnder Versorgung auch sexuelle Übergriffe.

Diözesancaritasdirektorin Nicola Adick forderte das von den Grünen geführte Frauenministerium in Mainz zum Handeln auf: "Frauen, die Erfahrungen mit Menschenhandel und Zwangsprostitution gemacht haben, brauchen ein psycho-soziales Beratungsangebot mit spezialisierten Beraterinnen."