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Migration - Dresden

Mehr Opferschutz in Gemeinschaftsunterkünften nötig

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Dresden (dpa/sn) - In Gemeinschaftsunterkünften muss nach Ansicht von Sachsens Ausländerbeauftragten Geert Mackenroth mehr für den Opferschutz getan werden. Frauen, Kinder, psychisch Kranke, traumatisierte Menschen und sexuelle Minderheiten müssten besonderen Schutz genießen, sagte er bei der Vorstellung des zweiten Teils des "Heim-Tüv" am Montag in Dresden. Die Zuteilung müsse künftig individueller erfolgen.

Insgesamt seien die Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge aber baulich und hygienisch in Ordnung, so Mackenroth. Nachbesserungsbedarf sieht die Untersuchung allerdings bei etwa 10 bis 20 Prozent der Heime. Kritikpunkte waren unter anderem schlecht informierte Heimleiter, unzureichende hygienische Bedingungen, kaputte Geräte oder dringend notwendige Renovierungsarbeiten.

Für den sogenannten Heim-Tüv "Verwahrung oder Ankommen?" wurden rund 100 Gemeinschaftsunterkünfte mit rund 8600 Geflüchteten in Zuständigkeit der Landkreise und kreisfreien Städte untersucht - mit Hilfe von Onlinebefragungen und 30 Stichproben vor Ort. "Mit der Studie liegt ein umfassendes Bild zur Unterbringung von Geflüchteten vor", sagte Mackenroth. Sachsen sei das erste Bundesland, in dem eine solche Dokumentation vorliege. Der erste Teil des "Heim-Tüv" wurde 2017 vorgestellt und beschäftigte sich mit der dezentralen Unterbringung durch die unteren Ausländerbehörden.

Laut "Heim-Tüv" gibt es deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land: So sind Familien mit Kindern eher in den großen Städten mit entsprechender Infrastruktur untergebracht, unbegleitete Männer dagegen eher auf dem Land. Entsprechend unterschiedlich sind die Anforderungen, erklärte Wissenschaftler Christoph Meißelbach von der TU Dresden. Während in den Städten die Aufenthalts- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder verbessert werden müssten, sind es in Unterkünften auf dem Land mit "hohem Aggressionsniveau" Angebote zur sinnvollen Freizeitgestaltung und Gewaltschutzkoordinatoren. Laut Untersuchung gibt es in rund 30 Prozent der Gemeinschaftsunterkünfte keine Frauen.

Künftig sollen auch die Erstaufnahmeeinrichtungen unter die Lupe genommen werden und zudem die Sicht der Flüchtlinge auf ihre Unterbringung einfließen. Ein kurzer, mehrsprachiger Fragebogen liegt bereits vor. Ob die Befragung umgesetzt wird, hängt allerdings davon ab, wie es nach den Landtagswahlen am 1. September weitergeht.