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Landtag - Wiesbaden

FDP will "Schatztruhen" der Museen digital erlebbar machen

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Wiesbaden (dpa/lhe) - Kunstwerke und Exponate hessischer Museen von der heimischen Couch betrachten - nach dem Willen der FDP-Landtagsfraktion soll das künftig möglich sein. Die Liberalen forderten die Landesregierung auf, ein Digitalisierungskonzept für die rund 400 Museen im Land auf den Weg zu bringen. "Wir wollen unsere hessischen Kulturgüter für alle Menschen sichtbar und zugänglich machen", sagte der FDP-Kulturpolitiker Stefan Naas am Dienstag im Landtag in Wiesbaden. Nur ein Bruchteil der Exponate sei permanent zu sehen, stattdessen schlummerten viele Werke in den Depots der Museen. "Wir wollen diese Schatztruhe öffnen", sagte Naas.

Digitale Sammlungen wie im Städel in Frankfurt oder in der künftigen Schau zur Sammlung Neess im Museum Wiesbaden könnten demnach als Beispiele dienen. In Absprache mit Verbänden und Museen soll so nach Ansicht der FDP-Fraktion eine langfristige Strategie entwickelt werden.

Die übrigen Fraktionen zeigten sich einig, dass die Digitalisierung eine wichtige Aufgabe ist. Die Regierungsfraktionen von CDU und Grünen betonten allerdings, dass mit den Museen die Prioritäten abgesprochen werden sollten. "Wir können nicht alles gleichzeitig angehen", sagte Kulturministerin Angela Dorn (Grüne). Die Digitalisierung sei eine komplexe Daueraufgabe.

"Es geht nicht mit einem Generalplan", machte auch Christina Reinsch vom Hessischen Museumsverband deutlich. Vielmehr müssten die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Häuser in den Blick genommen werden. "In jedem Museum sind die Anforderungen anders", erklärte Reinsch. Während in einigen Museen digitale Arbeitsweisen, beispielsweise bei der Gestaltung von Ausstellungen, bereits zum Einsatz kämen, hapere es vor allem in kleineren Museen noch oft an der technischen Ausstattung - etwa mit einem Internetanschluss.

Außerdem müsse es zunächst darum gehen, die Sammlungen der Museen grundsätzlich zu erfassen. Zu oft fehle ein Überblick darüber, welche Exponate überhaupt vorhanden seien, sagte Reinsch.

Dieses Problem sieht auch die Landesregierung: Daher könnten erst in einem zweiten Schritt Abbilder, wie etwa Fotos oder dreidimensionale Visualisierungen von den Exponaten gefertigt werden, sagte Dorn. Potenzial sieht der Museumsverband dabei vor allem in der digitalen Aufbereitung der Exponate etwa in Themenportalen im Internet. Denkbar sei etwa, Abbilder zu einzelnen Sammlungen zu erstellen - etwa zur Industriekultur oder dem Handwerk. Nach und nach könnten die hessischen Museen ihre Werke dann dazu einstellen, erklärte Reinsch.

Unterstützung bekam der FDP-Vorschlag aus den Reihen der AfD. Die Digitalisierung biete einen unschätzbaren Wert, deutsches Kulturgut zu schützen, betonte der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Frank Grobe. Allerdings reichten die bisher bereit gestellten Mittel für die Digitalisierung in der Kultur noch nicht aus.

2018 und 2019 hatte das Land den Museen nach Angaben von Ministerin Dorn mehr als 700 000 Euro für die Digitalisierung zur Verfügung gestellt. Hinzu kämen weitere Mittel aus der allgemeinen Förderung für die Museen.