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Landtag - Düsseldorf

Fall Amad A.: Verwechslung könnte Ursprung in Siegen haben

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Düsseldorf (dpa/lnw) - Die mutmaßliche Verwechslung des unschuldig inhaftierten und verbrannten Syrers Amad A. in Kleve könnte ihren Ausgang in Siegen genommen haben. Darauf deuten die aktuellen Ermittlungen hin. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus informierten Kreisen erfuhr, soll eine Sachbearbeiterin in der dortigen Kreispolizeibehörde zwei Tage vor der Festnahme Amad A.s am Niederrhein einen neuen Datensatz zu seiner Person angefertigt haben. Die Zeitungen "WAZ" und "NRZ" hatten darüber am Montag berichtet.

Die Staatsanwaltschaft in Kleve hatte bereits am vergangenen Freitag auf dpa-Anfrage mitgeteilt, dass man dazu wegen der laufenden Ermittlungen keine Auskunft erteile. Das NRW-Innenministerium hatte auf die Staatsanwaltschaft verwiesen. Eine Auswertung im Landeskriminalamt hatte den Informationen zufolge die Ermittler auf die Spur des in Siegen angelegten Datensatzes gebracht, der die Fehlerkette in Gang gesetzt haben könnte.

Bei dem in Siegen angefertigten Datensatz für das landesweite Polizei-Auskunftssystem "Viva" sollen erstmals Informationen über den in Hamburg gesuchten Afrikaner Amedy G. mit denen von Amad A. vermischt worden sein. Amad A. soll nach seiner Einreise zunächst im Aufnahmezentrum Burbach und damit im Bereich der Kreispolizei Siegen-Wittgenstein gelandet sein.

Nach seiner Festnahme in Geldern soll dann durch Hamburger Behörden auch einer der fraglichen Datensätze beim bundesweiten Fahndungssystem "Inpol" verändert worden sein.

Derzeit nimmt ein Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags die Vorgänge unter die Lupe. Die Inhaftierung des hellhäutigen Syrers Amad A. anstelle des von der Hamburger Polizei gesuchten dunkelhäutigen Mannes aus Mali wirft zahlreiche Fragen auf. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte Fehler bei der Polizei Kleve eingeräumt. Es waren Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

Der 26-jährige Amad A. war im September 2018 nach einem laut Gutachter vom Syrer selbst gelegten Zellenbrand gestorben. Der junge Syrer war von der Polizei mitgenommen worden, weil er an einem Badesee vier Frauen belästigt haben soll. Der Haftbefehl gegen den gleichnamigen Mann aus Mali war von der Hamburger Justiz wegen Diebstahls erlassen worden.

Der Untersuchungsausschuss des Landtags zu dem Fall war mit großer Mehrheit von Regierungs- und Oppositionsfraktionen beschlossen worden. Lediglich die AfD hatte sich enthalten.