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Konflikte

Trump: Iran hat "sehr großen Fehler" gemacht

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Eine Drohne vom Typ "RQ-4A Global Hawk" bei starkem Nebel im Hangar. Foto: Senior Airman Tyler Woodward/US Air Force/US CENTCOM

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Washington (dpa) - Nach dem Abschuss einer US-Drohne durch den Iran hat US-Präsident Donald Trump Vorwürfe gegen die Führung in Teheran erhoben. "Der Iran hat einen sehr großen Fehler gemacht!", schrieb Trump am Donnerstag auf Twitter.

Zuvor hatten die US-Streitkräfte den Abschuss ihrer Drohne als "nicht provozierten Angriff" verurteilt. Nach Angaben des US-Zentralkommando Centcom, das die Truppen im Nahen Osten führt, wurde die Drohne vom Typ "RQ-4A Global Hawk" im internationalen Luftraum abgeschossen. Der Iran wirft den USA dagegen vor, das unbemannte Flugzeug sei in den Luftraum des Landes eingedrungen und deswegen abgeschossen worden.

"Das war eine klare und konsequente Botschaft an diejenigen, die unsere Grenzen verletzen wollen", sagte IRGC-Chef Hussein Salami. Die Provinz Hormusgan in Südiran liegt direkt am Persischen Golf an der Straße von Hormus und gilt als möglicher Schauplatz einer militärischen Konfrontation der beiden Erzfeinde Iran und USA.

Der regierungsnahe Sender Fox News berichtete unter Berufung auf einen ungenannten US-Vertreter, eine Drohne des Typs "MQ-4C" sei über dem Meer von einer iranischen Flugabwehrrakete abgeschossen worden. Die "MQ-4C" ist eine Variante der "Global Hawk" zur Aufklärung von Seegebieten und wird von der US-Marine eingesetzt. Dagegen sprach NBC unter Berufung auf einen US-Vertreter von einer "RQ-4", der ursprünglichen Version der "Global Hawk". Es sei ein nicht provozierter Angriff der Iraner gewesen.

Der Iran wolle mit niemandem Krieg, sei aber auf jeden militärischen Konflikt vorbereitet, sagte der Chef der Revolutionsgarden. Die "rote Linie" des Irans seien dabei seine Grenzen. "Jeder, der die überschreitet, wird zerstört und auch nicht mehr (in sein Land) zurückkehren", sagte General Salami nach Angaben des IRGC-Webportals.

Der Drohnen-Zwischenfall ist nicht der erste dieser Art. Bereits im Dezember 2011 hatte der Iran den Abschuss einer US-Drohne gemeldet. Die "RQ-170" mit Tarnkappentechnik sei im Südosten des Landes in der Nähe der afghanischen Grenze abgeschossen worden. Die USA wiesen das zurück und gaben an, die Drohne sei im Westen Afghanistans abgestürzt. Die Iraner schafften es nach eigenen Angaben, Daten der Drohne zu dekodieren und damit an Geheiminformationen der CIA zu gelangen.

Der neue Vorfall fällt in eine Zeit verschärfter Spannungen zwischen dem schiitischen Iran und den USA mit ihren sunnitisch-arabischen Verbündeten. In den vergangenen Wochen hatten die USA einen Flugzeugträgerverband und eine strategische Bomberflotte in die Region verlegt, wo sie bereits über mehrere Stützpunkte verfügen. Im Golf von Oman wurden am 13. Juni zwei Tanker bei Angriffen schwer beschädigt und die USA machen den Iran dafür verantwortlich.

Auslöser der Konflikte sind der einseitige Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran im vergangenen Jahr und die folgende Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik. Im Mai hatte auch der Iran mit einem Teilausstieg aus dem Atomdeal begonnen und gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren. Über diese Meerenge werden fast zwei Drittel des globalen Ölexports verschifft.

Noch am Mittwoch hatte der iranische Sicherheitsrat (SNSC) erklärt, seiner Einschätzung nach werde es keinen Krieg zwischen dem Iran und den USA geben. "Es besteht überhaupt kein Grund für einen Krieg, denn amerikanische Unterstellungen gegen andere Länder sind eine weltweit bekannte Taktik der USA, um politischen Druck auszuüben", sagte SNSC-Sekretär Ali Schamchani der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Die Amerikaner wollten mit einem "Wirtschaftskrieg" den Iran zur Kapitulation zwingen, das werde aber nicht passieren.

Die verbliebenen Vertragspartner versuchen anders als die USA, das Abkommen zur Verhinderung einer iranischen Atombombe zu retten. Am Mittwoch hatte der Iran für den 28. Juni dazu ein Treffen angekündigt. Die Vizeaußenminister des Irans und der 4+1 Gruppe - China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland - würden sich in Wien treffen, sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hatte bekräftigt, dass die Vertragspartner nur bis zum 7. Juli Zeit hätten, das Atomabkommen vertragsgerecht umzusetzen. Sonst werde der Iran die im Abkommen vorgesehene Beschränkung der Urananreicherung aufheben und Uran höher anreichern als die vereinbarte Obergrenze von 3,67 Prozent. Das wäre nach Meinung von Beobachtern das Ende des Wiener Abkommens.