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Hochschulpfarrer: Söder missbraucht Christentum

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Würzburg/München (dpa/lby) - Der katholische Würzburger Hochschulpfarrer hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wegen dessen Kruzifix-Offensive in einem offenen Brief scharf angegriffen. Er habe in den vergangenen Wochen mit vielen Christen gesprochen, schrieb Burkhard Hose im sozialen Netzwerk Facebook in dem offenen Brief. "Viele empfinden es zunehmend als eine Provokation und als Heuchelei, wie Sie über das Christentum öffentlich reden. In unserer Wahrnehmung wird das Christentum von Ihnen dazu missbraucht, um die Ausgrenzung von Menschen anderen Glaubens zu betreiben. Über diese Entwicklung bin ich gemeinsam mit vielen anderen sehr besorgt."

Söder und seine Kabinettskollegen hatten am Dienstag beschlossen, dass in allen bayerischen Landesbehörden künftig Kreuze hängen sollen.

"Das Kreuz taugt jedoch nicht als verlängerter Arm einer Politik der Ausgrenzung oder des nationalistischen Egoismus. Das Kreuz lässt sich auch nicht auf bayerische Folklore reduzieren", schrieb der katholische Geistliche weiter. Das Kreuz sei Erinnerung an den Lebensweg Jesu, "dessen grenzenlose Liebe und dessen besondere Parteinahme für Ausgegrenzte ihn letztlich ans Kreuz brachten".

Er bitte Söder eindringlich, den "Missbrauch des Christlichen und seiner Symbole als vermeintliches Bollwerk gegen den Islam" zu beenden.

Der Seelsorger rief Söder dazu auf, in einen offenen Dialog darüber einzutreten, worin christliche Werte bestehen. "Kommen Sie mit in Bayern lebenden Muslimen ins Gespräch - mit dem Ziel, für die demokratische Gesellschaft, in der wir leben, zu werben, anstatt sie ihnen mit Drohgebärden entgegenzuhalten."