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Extremismus - Chemnitz

Rund 1000 Anhänger bei Begräbnis von Hooligan in Chemnitz

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Chemnitz (dpa/sn) - Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei haben sich Fußball-Hooligans und Anhänger der Neonazi-Szene zur Beisetzung eines überregional bekannten Rechtsextremen in Chemnitz versammelt. Ein Trauerzug durch den Stadtteil Altchemnitz verlief weitgehend störungsfrei, wie die Polizei nach Abschluss des Einsatzes mitteilte. Rund 1000 Sympathisanten aus dem gesamten Bundesgebiet sowie dem europäischen Ausland reisten nach den Angaben an.

Im Anschluss an die Beisetzung auf dem Friedhof der evangelisch-lutherischen St. Michaelis Gemeinde wurden zwei Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz aufgenommen. Eine Frau hatte den Angaben zufolge aus einem fahrenden Auto einen angezündeten Nebeltopf gehalten. Bei der anschließenden Kontrolle des Fahrzeugs sei weitere nicht zugelassene Pyrotechnik gefunden worden.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot von 950 Einsatzkräften vor Ort, um Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten. Die sächsischen Beamten bekamen dabei Unterstützung von Kollegen aus Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und der Bundespolizei. Zur Sicherheit standen auch Wasserwerfer und gepanzertes Fahrzeug bereit.

Im Vorfeld war befürchtet worden, dass sich unter den Teilnehmern auch gewaltbereite Personen aus dem rechtsextremistischen und der Hooligan-Szene befinden würden. Der Trauerzug war nicht als Demonstration angemeldet. Daher sei die Vermummung einiger Teilnehmer auch kein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz gewesen, hieß es.

Der gestorbene Thomas Haller war führender Kopf der früheren Vereinigung "HooNaRa" (Hooligans-Nazis-Rassisten) und hatte zeitweilig den Ordnungsdienst beim Chemnitzer FC geleitet. Der Verein war massiv in die Kritik geraten, nachdem es in seinem Stadion vor gut einer Woche zu einer Trauerbekundung für Haller gekommen war.

Nach Angaben von Kennern der Neonazi-Szene war Haller auch bei den Demonstrationen nach der tödlichen Messerattacke von Chemnitz im August 2018 dabei. Sieben Monate später hat am Montag gegen einen Syrer der Prozess zur Tötung des 35-jährigen Deutschen vor dem Landgericht Chemnitz begonnen. Aus Sicherheitsgründen wird in Dresden verhandelt.

Unterdessen hat der Fußball-Regionalligist Strafanzeige gegen Unbekannt wegen des Missbrauchs seines Vereinslogos bei der Beerdigung erstattet. Wie der Club auf seiner Homepage erklärte, seien bei der Bestattung von Thomas Haller "unter Verwendung des offiziellen Vereinslogos des Chemnitzer FC Trauerbekundungen aufgetaucht".

Dazu stellte der Verein klar, dass es keinen Beschluss des Chemnitzer FC e.V., der Chemnitzer FC Fußball GmbH oder deren Gesellschafter zu diesem Vorgehen gebe. "Das Vereinslogo des Chemnitzer FC wurde widerrechtlich gebraucht", hieß es.