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Was das Verbot von Einwegplastik bringt - und was nicht

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Nur ein gutes halbes Jahr nach dem ersten Vorschlag der EU-Kommission steht ein Verbot von diversen Plastikwegwerfartikeln, für die es Alternativen gibt. Foto: Alexander Heinl

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Berlin/Brüssel (dpa) - Vom Wattestäbchen über den Strohhalm bis zur Gabel für die Currywurst - die meisten Wegwerfprodukte aus Plastik nutzt man im Alltag, ohne darüber nachzudenken.

Was - bisher noch - auffällt, sind die Alternativen: Wenn die Gabel aus dünnem Holz ist oder der Strohhalm tatsächlich Stroh oder aus Bambus. In ein paar Jahren wird das in Europa wohl ganz normal sein - denn viele Einwegprodukte sind ab 2021 in der EU tabu. Das Ziel: In den Meeren, an den Stränden und überhaupt in der Natur soll weniger Plastik landen. Doch im Detail liegen noch einige Tücken.

Erstens: Die Weltmeere werden davon nicht sauber.

In den Meeren landet der meiste Müll nicht, weil Spaziergänger und Badegäste am Strand etwas fallen lassen oder er von Schiffen herunterweht. Der größte Teil des Mülls kommt aus Flüssen, und zwar zu großem Teil in Südostasien. In vielen Ländern gibt es keine Entsorgungs- oder gar Recyclingsysteme wie in Europa. Flaschen, Tüten und andere Müll landen in der Natur und im Wasser. Müll im Meer ist ein globales Problem. Der Unternehmensberater McKinsey kommt in einer neuen Studie zum dem Schluss: "Trotz aller politischen Anstrengungen und Verordnungen wird sich weltweit die Menge an Plastikmüll bis 2030 um bis zu 80 Prozent erhöhen."

Aber: Auch in der EU landet längst nicht jeder Plastiklöffel, wo er nach der Nutzung hingehört. "Was wir hier an unseren Stränden haben, sind so dramatische Mengen, dass wir gar nicht weit wegschauen müssen", sagt Nadja Ziebarth, die das Meeresschutzbüro der Umweltorganisation BUND leitet. Auch in Europa hätten viele Länder keine Pfandsysteme für Flaschen. Gerade Plastikstrohhalme fänden sich an den deutschen Stränden sehr viele. Außerdem werde eine so weitreichende Regelung wie die der EU "auf jeden Fall eine Signalwirkung" haben, sagt Nina Maier vom Umweltbundesamt. "Dem werden Hersteller weltweit Beachtung schenken."

Zweitens: Die Alternativen sind auch nicht immer umweltfreundlich.

Das Argument taucht auf, wenn es um Plastiktüten geht. Eine Tüte aus Papier herzustellen, braucht viel Energie, Wasser, Chemikalien. Mit Plastikersatz aus Holz, Bambus, Glas und anderen Materialien ist das ähnlich. "Wenn Holz zum Beispiel aus Asien kommt, hat es eher eine schlechte Ökobilanz", sagt Maier. "Aus einem regionalen Wald ohne Behandlung mit giftigen Stoffen ist sie besser." Eine exakte Ökobilanz sei "extrem schwierig" zu berechnen. "In der Regel ist kein Material per se böse oder gut aus Umweltsicht." Plastik zum Beispiel sei im Vergleich meist gut recyclingfähig.

Aber: Schwäche der Ökobilanzen sei, dass sie sich nur auf den Lebenszyklus des Produkts bezögen und nicht auf die Zeit nach dem Gebrauch, erklärt Maier. "Bei Plastik ist eben das große Problem, dass es extrem lange Abbauzeiten hat, wenn es in der Umwelt landet."

Kritik am geplanten Verbot ist kaum zu hören - wenn auch FDP-Fraktionsvize Frank Sitta beklagt, es werde "die Verbotskeule geschwungen", und das Centrum für Europäische Politik "plumpe Symbolpolitik" kritisiert.

Vom Gastgewerbe-Verband Dehoga kommt dagegen kein Einspruch, obwohl der die vertritt, für die sich am meisten ändert. Imbissbuden, Lieferdienste, Catering in Stadien und Konzerthallen, alle nutzen Einwegplastik. Nachhaltige Angebote seien bei Kunden gefragt, das Thema ohnehin auf der Agenda der Unternehmen, sagt eine Sprecherin. Es gehe aber auch um Kosten. "Wir hoffen nun, dass es angemessene Übergangsfristen gibt. Priorität muss jetzt die Entwicklung von preisgünstigen und hygienisch einwandfreien Alternativen haben."

Die Frage der Alternativen hat auch die EU im Blick. Luftballonstäbe werden verboten, Luftballons nicht. Plastikbecher stehen vorerst auch nicht auf der Verbotsliste, ihr Einsatz soll lediglich reduziert werden. Im Stadion oder auf Volksfesten dürften Bier und Limo also weiter im Einwegbecher ausgeschenkt werden. Manchmal ist die Realität aber auch schon weiter als die Gesetzgebung - der FC Bayern München und Borussia Dortmund etwa sind zwei von vielen Fußballvereinen, die auf Mehrwegbecher setzen.