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Demonstrationen - Schwerin

Fridays for Future fordert Abschaltung von Kohlekraftwerk

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Schwerin (dpa/mv) - Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future hat das Abschalten von Mecklenburg-Vorpommerns einzigem Kohlekraftwerk in Rostock bis spätestens 2025 gefordert. Wünschenswert sei, das Kraftwerk in einen Speicher für Öko-Strom umzubauen, sagte die Schweriner Schülerin Theresia Crone (16) am Freitag in Schwerin. Das Kohlekraftwerk in Rostock produziert Strom und Fernwärme. Das Verbrennen von Kohle gilt als Hauptproblem für das Erreichen der deutschen Klimaziele.

Weitere Forderungen der Jugendlichen für mehr Klimaschutz betreffen unter anderem ein kostenloses Schülerfreizeitticket für den öffentlichen Nahverkehr im Nordosten, mehr Radwege und eine Reduzierung von Plastik. Außerdem verlangen sie von den Erwachsenen mehr Engagement beim Klimaschutz, um das Ziel eines maximalen Anstiegs der Temperatur um 1,5 Grad einhalten zu können. Fridays for Future geht auf den Schulstreik der schwedischen Schülerin Greta Thunberg zurück, die so als erste auf die Klimakrise aufmerksam machte und die Erwachsenen zum Handeln bewegen will.

Seit Monaten demonstrieren Schüler weltweit und auch im Nordosten freitags für mehr Klimaschutz, meist während der Schulzeit. Bei den jüngsten Demonstrationen in mehreren Städten des Landes hatten am Freitag vor einer Woche rund 2000 Jugendliche teilgenommen.

Als ein erstes Ergebnis der Aktionen im Nordosten verabredeten die jungen Aktivisten mit der Landesregierung die Gründung eines Rates für Umwelt und Nachhaltigkeit - kurz: Run. Er sei das erste derartige Gremium bundesweit und ein großer Erfolg für Fridays for Future in Mecklenburg-Vorpommern, sagte Alexia Wolf (15) aus Rostock. Sie geht in die neunte Klasse. Carlotta Petersen, ebenfalls 15 Jahre alt und aus Boizenburg, sagte: "Wir fordern die Landesregierung auf, den Klimaschutz zur Priorität zu machen."

Umweltminister Till Backhaus (SPD) sagte: "Wir stehen mit den Verantwortlichen der Fridays for Future-Bewegung in einem sehr guten Dialog." In den kommenden Wochen erwarte er von den Initiatoren konkrete Vorschläge für Maßnahmen und Projekte sowie feste Ansprechpartner. "Den Worten müssen nun Taten folgen", sagte er. Der Umwelt- und Klimaschutz sei eine zentrale Zukunftsaufgabe. Dabei seien nicht nur Industrie, Politik und Verbände gefordert, sondern auch jeder Einzelne.

Die Linke forderte die Landesregierung auf, die Forderungen von Fridays For Future ernst zu nehmen. Das sei bisher nicht der Fall, machte die energiepolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Mignon Schwenke, deutlich. "Der Versuch meiner Fraktion, im Energieausschuss (des Landtags) eine öffentliche Anhörung zum Klimaschutz und den erhobenen Forderungen durchzuführen, wurde von allen anderen Fraktionen abgelehnt." Überdies gehöre Mecklenburg-Vorpommern zu den wenigen Bundesländern ohne Nachhaltigkeitsstrategie. Die SPD-Abgeordnete Elisabeth Aßmann sagte: "Die heute aufgestellten Forderungen an die Landesregierung sind nach meiner Auffassung eine gute Grundlage für eine breite Diskussion und Zusammenarbeit auf Augenhöhe."