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Demonstrationen - Berlin

1. Mai-Demo in Friedrichshain? Linke Szene diskutiert

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Berlin (dpa/bb) - Rund einen Monat vor dem 1. Mai gibt es in der linksradikalen Szene Überlegungen, die traditionelle abendliche Demonstration von Kreuzberg nach Friedrichshain zu verlegen. Auf der Internetseite Indymedia betonen verschiedene Autoren, wegen des ausufernden Straßenfestes mit Zehntausenden Partybesuchern sei Kreuzberg für die Demonstration nicht mehr geeignet. "Deshalb wollen wir dieses Jahr einen Schlusspunkt setzen. Und einen Neuanfang wagen - in Friedrichshain", schreibt ein anonymer Autor, der sich zu den Organisatoren zählt.

Der Senat habe Kreuzberg am 1. Mai "in ein Ballermann-Festival verwandelt, in dem jede Demonstration im Suff-Techno-Konsum-Spektakel untergeht - oder noch schlimmer, als Teil des besonders coolen Berliner Tourismus-Charmes erscheint", so die Kritik. Man wolle nicht mehr darauf setzen, "dass sowieso immer tausende Schaulustige einfach mitlaufen, weil sie ohnehin zum Feiern in der Gegend sind." Erreicht werden sollten Menschen, die sich gezielt an einer politischen Demonstration beteiligen möchten. "Die bloße Quantität der Teilnahme halten wir nicht für das entscheidende Kriterium."

Eine autonome Gruppe schrieb schon vor zwei Wochen: "Nach einer mehrjährigen Phase der Stagnation und des verlorenen Kräftemessens mit Berlins widerlichstem Straßenfest, dem "Myfest", weicht das Spektakel nach Friedrichshain aus und ermöglicht damit seine Wiedergeburt als rebellisches Datum."

Bei der Polizei wurde bislang für den Abend des 1. Mai weder in Kreuzberg noch in Friedrichshain die übliche Demonstration linksextremer Gruppen um 18.00 Uhr angemeldet. Offiziell gemeldet ist aber bereits eine Demonstration am Mittag im Villen-Stadtteil Grunewald. Im vergangenen Jahr zogen dort 3000 Demonstranten am Nachmittag durch die Straßen. Einige bemalten, beklebten und beschädigten Autos und Häuser.

Im vergangenen Jahr verlief der Abend des 1. Mai in Kreuzberg so wenig gewalttätig wie lange nicht. Die linksautonome Demonstration mit einigen tausend Teilnehmern endete ohne den üblichen Gewaltausbruch. 20 Polizisten wurden verletzt, so wenige wie noch nie seit Beginn der heftigen Straßenschlachten zwischen linksextremistischen Randalierern und der Polizei im Jahr 1987. Die Polizei nahm insgesamt 103 Menschen fest, unter anderem wegen Landfriedensbruchs, Widerstands und Sachbeschädigung.

Kreuzberg kämpfte in den vergangenen eher mit den Folgen des Straßenfestes "Myfest", das sich von einer Kiezparty zu einem Anziehungspunkt für trinkfreudige junge Menschen vom Stadtrand, aus Brandenburg sowie halb Europa entwickelt hatte.