bedeckt München 20°

Bundesregierung - Stuttgart

Südwesten offen für eigenen Missbrauchsbeauftragten

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Stuttgart/Berlin (dpa/lsw) - Die grün-schwarze Regierung des Landes Baden-Württemberg steht einem eigenen Missbrauchsbeauftragten grundsätzlich offen gegenüber. Wie das Stuttgarter Sozialministerium mitteilte, will man aber dem Ergebnis der Beratungen und den Empfehlungen der Kommission Kinderschutz nicht vorgreifen. Das Ministerium reagiert damit auf einen Vorstoß des Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Er erhöht den Druck auf die Länder, ebenfalls solche Stellen zu schaffen: Johannes-Wilhelm Rörig hat jetzt die Regierungschefs aller 16 Länder angeschrieben.

Schon 2018, beim Missbrauchsfall Staufen, habe er die Länder wiederholt aufgefordert, eigene Missbrauchsbeauftragte einzusetzen. Baden-Württemberg hat im Herbst die Kommission Kinderschutz eingerichtet. Sie soll Missbrauchsfälle wie in Staufen bei Freiburg verhindern: Der jahrelange Missbrauch eines kleinen Jungen dort hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Das Kind war von seiner Mutter und deren Lebensgefährten vergewaltigt und an andere Männer verkauft worden. Das Paar wurde im vergangenen Jahr zu mehreren Jahren Haft verurteilt.

Die Kommission soll eine umfassende und vorbehaltlose Analyse der bestehenden Strukturen vornehmen und Empfehlungen für die Verbesserung des Kinderschutzes in Baden-Württemberg aussprechen. Der Abschlussbericht der Kommission ist laut Ministerium Ende des Jahres zu erwarten. Im Rahmen ihres Auftrags befasst sich die Kommission auch mit der Empfehlung, Landes-Missbrauchsbeauftragte zu ernennen. In Baden-Württemberg sind der Polizei im vergangenen Jahr insgesamt 1521 Fälle von versuchten und vollendeten Straftaten des sexuellen Missbrauchs von Kindern bekannt geworden.