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Wetter - Schleching

Schneegebiete kehren zu Normalität zurück

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Traunstein/Berchtesgaden (dpa/lby) - Entwarnung im oberbayerischen Raiten: Eineinhalb Tage nach der Räumung des Dorfes im Landkreis Traunstein wegen eines drohenden Lawinenabgangs konnten die Bewohner nach Hause. Die 266 Menschen hatten am Mittwoch eilends ihre Häuser verlassen müssen, weil Schneemassen an einem Hang abzurutschen drohten. Die Lawinenwarnkommission untersuchte dann am Donnerstag das Gebiet und die Schneestruktur stundenlang; am späten Abend wurde - früher als erwartet - die Warnung aufgehoben. Es habe den ganzen Tag Erkundungen und Sichtungen gegeben, sagte Landrat Siegfried Walch (CSU) in einer Videobotschaft auf YouTube und Facebook. "Ich bin sehr froh und wir schnaufen jetzt alle mal tief durch."

An dem gefährdeten Hang über dem zur Gemeinde Schleching gehörenden Ortsteil Raiten hatte es schon vor zehn Jahren eine Lawine gegeben, die bis etwa 150 Meter vor die Häuser kam. Sie hatte Wald weggerissen - so dass jetzt Schutz fehlt. Für künftige Gefahrenlagen soll nun ein Evakuierungsplan erarbeitet werden. Die Einwohner waren bei Familien und Freunden untergekommen, zurückgelassene Tiere hatten Landwirte später auf eigene Gefahr frühmorgens aus dem Ort geholt.

Ab Montag gibt es an allen Schulen im Landkreis Traunstein wieder Unterricht. Dieser war teils eineinhalb Wochen ausgefallen. Der Katastrophenfall im Landkreis Traunstein blieb aber zunächst bestehen, ebenso im Landkreis Berchtesgadener Land. Im Landkreis Miesbach wurde der Katastrophenfall am Donnerstagabend aufgehoben.

Im Raum Berchtesgaden waren am Freitag knapp tausend Helfer von Bundeswehr, Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und anderen Organisationen damit beschäftigt, rund 70 Dächer - teils von großen Gebäuden - von ihrer Schneelast zu befreien. Seit Beginn des Einsatzes vor mehr als einer Woche wurden knapp 1500 Dächer geräumt.

Im Landkreis Traunstein lag der Schwerpunkt der Arbeiten am Freitag erneut in dem Ort Reit im Winkl mit der darüber liegenden Winklmoosalm. Dort waren Hunderte Helfer damit beschäftigt, auf letzten gefährlich belasteten Dächern den Schnee wegzuschaufeln. Am Vortag hatten sie die Straße zur Winklmoosalm mit rund 70 Bewohnern freigeräumt, die tagelang nicht passierbar war.

Auch andernorts waren Menschen noch mit der Räumung von Dächern beschäftigt. Glück hatte ein Landwirt aus Oy-Mittelberg im schwäbischen Landkreis Oberallgäu. Er hatte laut Polizei am Donnerstag damit begonnen, ein Scheunendach von den Schneemassen zu befreien. Dabei hörte er ein Knacksen - und stieg vorsorglich herunter. Kurz danach brach die Scheune in sich zusammen.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) danke nochmals den zahlreichen Einsatzkräften, die im Schneechaos geholfen haben. Ihnen sei es zu verdanken, dass letztlich trotz der Schneemassen wenig passiert sei, sagte Söder in Nürnberg zu "17:30 SAT.1 Bayern". "Ich war echt stolz drauf, die Solidarität aus ganz Bayern. Das zeigt einfach, wenns ernst wird halten die Bayern zusammen."

In den meisten Gebieten der bayerischen Alpen galt am Freitag nur noch mäßige Lawinengefahr, das ist die Stufe zwei auf der fünfteiligen Skala. Nur in den Berchtesgadener, den Werdenfelser und den Allgäuer Alpen galt oberhalb der Waldgrenze noch mit Stufe drei erhebliche Gefahr. Auch in Österreich sank die Lawinengefahr, allerdings herrschte in höheren Lagen vorwiegend noch die Stufe drei.