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Szenen des Winters in Bayern: starke Einschränkungen

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München (dpa/lby) - Blockierte Straßen, abgeschnittene Ortschaften und hohe Lawinengefahr: Vor allem der Süden Bayerns kämpft weiter mit den Folgen des Winters. Wegen starken Schneefalls waren am Mittwoch die Zufahrtsstraßen zu zwei oberbayerischen Orten gesperrt. Lastwagen brachten Lebensmittel zu den Bewohnern, die Bundeswehr holte Mitarbeiter eines Asthma-Zentrums aus dem Schnee-Chaos. Immer mehr Kommunen lassen aus Sicherheitsgründen den Unterricht ausfallen. Dass das nötig ist, zeigen Schulbusunfälle. Überhaupt kracht es auf den Straßen immer häufiger. Züge sind verspätet oder fallen ganz aus, weshalb jetzt auch die Deutsche Bahn schweres Gerät im Einsatz hat.

Für die bayerischen Alpen riefen die Behörden die zweithöchste Lawinenwarnstufe aus. Die große Gefahr gelte auch am Donnerstag, teilte der Lawinenwarndienst mit. Im Berchtesgadener Land ging eine Lawine ab und verschüttete in Marktschellenberg teilweise eine Straße. Prognose: "Der Schneefall lässt nach und die Lawinensituation wird sich die nächsten Tage etwas entspannen", hieß es. "Skitouren und Variantenabfahrten abseits gesicherter Skipisten erfordern besondere Vorsicht und gutes lawinenkundliches Beurteilungsvermögen."

Laut Deutschem Wetterdienst ist bis mindestens Mitte nächster Woche vor allem im Alpenraum mit Schnee zu rechnen. Eine aktuelle Unwetterwarnung wegen heftiger Schneefälle gilt bis Freitag.

In der Siedlung Buchenhöhe in Berchtesgaden saßen 350 Menschen fest und waren auf Lebensmittellieferungen angewiesen. Die einzige Straße zu dem Ortsteil in der Nähe des Obersalzbergs sei bis auf weiteres gesperrt, sagte ein Sprecher des Landratsamtes. Der Geschäftsleiter der Marktgemeinde, Anton Kurz, sagte, mit schweren Militärfahrzeugen könne Buchenhöhe weiter erreicht werden. Daher hat die Bundeswehr Versorgungsfahrten übernommen und die Mitarbeiter der Reha-Einrichtung für junge Asthma-Patienten abgeholt.

Die eingeschneite Gemeinde Jachenau (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) wurde mit ausreichend Lebensmitteln versorgt. Das Bayerische Rote Kreuz brachte Bürgern benötigte Medikamente. "Die Lage ist angespannt, aber beherrschbar", sagte Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler). Wegen zahlreicher unter der Schneelast umgekippter Bäume bleibt die Staatsstraße nach Lenggries und Walchensee wohl bis Freitag gesperrt, wie ein Sprecher des Staatlichen Bauamts Weilheim sagte. Ein Räumen der Strecke sei derzeit nicht möglich, weil weitere Bäume umzufallen drohten. Die Menschen seien aber nicht von der Außenwelt abgeschnitten, betonte der Sprecher.

Bei einem Schulbusunfall auf schneeglatter Straße wurden in Herrieden (Landkreis Ansbach) zwölf Kinder leicht verletzt. Der Bus war in einer Kurve auf die Gegenfahrbahn geraten, hatte einen anderen Bus gestreift und war gegen zwei Bäume geprallt. Auch im Berchtesgadener Land kam es zu einem Schulbusunfall auf nasser Straße, bei dem fünf Kinder leicht verletzt wurden. In Bad Wörishofen (Landkreis Unterallgäu) blieb ein Schulbus im Schnee stecken.

In weiten Teilen des Freistaats kamen viele Autos und Lastwagen von der Straße ab oder blieben an schneebedeckten Steigungen hängen. Nach einem Unfall auf schneeglatter Fahrbahn bei Friedberg im dichten Schneetreiben war beispielsweise die Autobahn 8 in Fahrtrichtung München gut drei Stunden komplett gesperrt. Wegen akuter Lawinengefahr wurde die Zufahrt von Mittenwald nach Leutasch über die Staatstraße 2042 laut Landratsamt Garmisch-Partenkirchen gesperrt. Auch der Grenzübergang Mittenwald/Scharnitz bleibe gesperrt.

Die Behörden rieten den Menschen im Bayerischen Wald, auf Autofahrten nach Deggendorf zu verzichten. Die Hauptzufahrtsstraßen aus den Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau seien teilweise nicht zu befahren, erklärten das Landratsamt und die Polizei. Im Landkreis Deggendorf waren rund 300 Feuerwehrler im Einsatz, um Straßen von umgestürzten Bäumen freizuräumen. Besonders betroffen sei die Gemeinde Schaufling, sagte Kreisbrandinspektor Bernhard Süß. An einem Streckenabschnitt habe selbst bei Tagesanbruch nicht aufgeräumt werden können. "Es ist einfach zu gefährlich, die Bäume brechen ab. Wir wollen unsere Kameraden nicht in Lebensgefahr bringen."

Um den Zugverkehr wieder in Gang zu bringen, setzte die Deutsche Bahn in den Bahnhöfen Miesbach, Schaftlach in Waakirchen und Schliersee Bagger und Radlader ein. Sie sollen Schneemassen abtransportieren. "Es ist so viel Schnee in den Bahnhöfen, die normalen Räumfahrzeuge reichen da nicht", sagte ein Sprecher. Die Infrastruktur solle so weit vom Schnee befreit werden, dass am Donnerstagmorgen wieder Züge fahren können. "Wir haben eine außerordentliche Wetterlage und damit auch eine außerordentliche Betriebssituation", sagte der Sprecher. Derzeit ruht der Verkehr auf mehreren Strecken im Oberland, zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden, im Bayerischen Wald und im Allgäu.

Die Schneemassen hatten die Räumdienste schon zum Beginn der Woche vor erhebliche Probleme gestellt. Der oberbayerische Landkreis Miesbach hat den Katastrophenfall ausgerufen.