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Winzer klagen über Trockenheit: Obstbauern noch optimistisch

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Bad Kösen/Meißen/Erfurt (dpa) - Die Weinstöcke an Saale, Unstrut, Elbe und Havel haben Durst: Die anhaltende Trockenheit bereitet den Weinbauern in den ostdeutschen Anbaugebieten derzeit mehr oder weniger große Sorgen. Sie befürchten, dass sich die Situation von 2018 wiederholen könnte, zumal es im Winter 2019 mancherorts wenig Niederschläge in den Anlagen gab, erklärten Winzer. Für den Weinbau gilt ein Mix aus Sonne und Regen als Voraussetzung für eine gute Ernte - sowohl in der Menge als auch in der Qualität.

Im Gegensatz zu den Winzern sind die Obstbauern wegen der Witterung derzeit noch gut gestimmt. Die Blüte bei Äpfeln, Kirschen, Birnen und anderen laufe hervorragend, sagte Udo Jentzsch, Geschäftsführer des Landesverbands "Sächsisches Obst", der Mitgliedsbetriebe aus Sachsen und Sachsen-Anhalt hat. In den nächsten Tagen müssten bei einigen Bäumen - etwa Äpfeln oder Pflaumen - sogar Blüten ausgedünnt werden, sagte Jan Kalbitz, Vorstand der Obstland Dürrweitzschen AG. Sonst wüchsen zu viele Früchte - die dann kleiner als gewünscht ausfallen.

In ihrer Prognose verhalten sind momentan noch die Obstbauern in Thüringen. "Zu den Auswirkungen der Trockenheit kann man noch nicht viel sagen", erklärte Axel Swoboda, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau beim Thüringer Landesverband Gartenbau. Erst wenn in einigen Wochen die Fruchtblüte erfolge, wäre eine anhaltende Trockenheit gravierender. Denn dann brauchen die Bäume viel Wasser.

Doch völlig sorgenfrei sind auch seine sächsischen Kollegen nicht. "Oben ist der Boden zwar fast schon so trocken wie im vorigen August", sagte sein sächsischer Kollege Kalbitz. In 50 bis 60 Zentimetern Tiefe sei noch genügend Feuchtigkeit vorhanden, um die Wurzeln der Obstbäume zu versorgen. Verbandschef Jentzsch hofft also - wie die Winzer - auf baldigen Regen, sonst werde sich die Lage verschlechtern.

Das bestätigen auch die Agrarmeteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Leipzig. "Oben sieht es kritisch aus, aber für die Bäume ist eigentlich noch genug Feuchtigkeit da", sagte eine Sprecherin. Dennoch wäre für die Natur ein länger anhaltender Niederschlag gut - aber der ist derzeit nicht in Sicht.

Die Weinbauern im Süden Sachsen-Anhalts brauchen aber dringend Regen. "Die Lage ist besorgniserregend. Uns fehlen nicht nur jetzt, sondern seit dem vorigen Jahr die Niederschläge", sagte ein Sprecher des Landesweinguts Kloster Pforta (Burgenlandkreis). Die Wasservorräte in den Böden der Weinberge seien geschrumpft. "Das ist das große Dilemma", sagte er. In dem Landesweingut werden derzeit Pläne erarbeitet, wie bestimmte Weinberge bewässert werden können.

Darüber werde auch in der Winzervereinigung Freyburg intensiv diskutiert, sagte Geschäftsführer Hans Albrecht Zieger. Noch bereite den Reben das Wasserdefizit aus 2018 allerdings keine großen Schwierigkeiten. Auf lange Sicht gesehen werde verfügbares Wasser in den Weinbergen immer wichtiger, um Ernteausfälle zu vermeiden. Ein trockener Sommer habe aber auch den Vorteil, dass Pilzkrankheiten bei den Reben, die vor allem bei zu viel Feuchtigkeit entstehen, weniger auftreten. "Unterm Strich brauchen wir jetzt ein schönes Regengebiet mit zwei, drei Tagen Landregen, damit die Böden die Feuchtigkeit aufnehmen können", sagte Zieger.

Hingegen gab es laut Weinbauverband Sachsen im dortigen Anbaugebiet in den ersten drei Monaten dieses Jahres ausreichend Niederschläge - zwischen 10 und 46 Prozent über dem langjährigen Mittel (Wetterstation Klotzsche), erklärte Vorstandsvorsitzender Michael Thomas. Zugleich betonte er, dass die Winzer die Wetterprognosen für die kommenden Wochen und Monate sehr genau im Auge behalten werden. "Wir wünschen uns vor allem Regen im Mai und Juni, wenn die Reben wachsen", erklärte Thomas.

In Brandenburg macht der Wind, der über sandige Böden fegt, den Weinbauern an der Havel zusätzlich zu schaffen. "Das ist alles sehr grenzwertig", sagte Winzer Manfred Lindecke zum Thema Trockenheit. "Wir denken über zusätzliche Bewässerung nach." Ansonsten drohten vor allem junge Pflanzen, die noch nicht so tief gewurzelt haben, zu vertrocknen. Alte Reben haben bis zu zehn Meter tiefe Wurzeln, und holen sich ihr Wasser tief aus den natürlichen Vorräten der Erde.