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Urteile - Köngen

Bewährungsstrafe gegen Spitzenkoch wegen Betrugs verhängt

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Böblingen (dpa/lsw) - Wegen Betrugs sind die früheren Betreiber des inzwischen geschlossenen Sternerestaurants "Alte Vogtei" in Köngen bei Esslingen am Freitag zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Amtsgericht Böblingen sah es als erwiesen an, dass die beiden Angeklagten im Alter von 39 und 33 Jahren Inventar zum Kaufpreis von 88 000 Euro für das von ihnen betriebene Lokal nicht bezahlt haben.

Gegen den einstigen Spitzenkoch wurde eine Bewährungsstrafe von 22 Monaten verhängt, gegen seine mitangeklagte Ehefrau eine von 14 Monaten. Beide Angeklagten waren geständig. Das Urteil gegen den 39 Jahre alten Koch wurde sofort rechtskräftig.

Das Paar betrieb das Spitzenrestaurant ein Jahr und übernahm das Inventar. Bei der Unterzeichnung des Kaufvertrags habe es seinen wahre finanzielle Situation verschwiegen, sagte die Richterin. Es habe behauptet, es erwarte Geld aus dem Verkauf eines Hauses aus der Erbschaft des Kochs. Doch das Elternhaus des 39-Jährigen stand vor der Zwangsversteigerung. "Sie wussten, dass das Haus belastet war und sie den Kaufpreis nicht bezahlen konnten", sagte die Richterin.

Der Staatsanwalt forderte für den Mann zwei Jahre Haft auf Bewährung. Und für seine Ehefrau eine 22-monatige Bewährungsstrafe. Der 39-Jährige habe eine "erbärmliche Lügengeschichte" erzählt und alles getan, um den Sachverhalt zu verschleiern. "Von einer Zwangsversteigerung wird man nicht überrascht", sagte der Ankläger. Der Anwalt des früheren Spitzenkochs sagte, dieser sei in die ganze Sache hereingeschlittert. "Er ist Koch und kein Geschäftsmann."

Der 39-Jährige absolvierte zunächst eine Ausbildung als Steuerfachangestellter und später eine zum Rettungsassistenten. Erst danach folgte die Kochausbildung. Restaurant und Betreiber hatten für Wirbel gesorgt: Nachdem der Hotel- und Restaurantführer Guide Michelin seine Deutschlandausgabe 2019 vorgestellt hatte, war bekannt geworden, dass die mit einem Stern ausgezeichnete "Alte Vogtei" bereits seit Monaten geschlossen war.

Der 39-Jährige ist nun mit seiner Ehefrau in der Schweiz tätig und will dort am 1. Mai in Chur ein Restaurant eröffnen. "Wir sind nicht in die Schweiz geflüchtet, um uns abzusetzen", sagte er in seinem letzten Wort. Er und seine Frau seien daran interessiert, ihre Schulden abzuzahlen. Den Michelin-Stern habe er zurückgegeben. Die Täuschung des Restaurantführers Guide Michelin war nicht Gegenstand der Verhandlung.

Die Deutschland-Ausgabe 2019 des Guide-Michelin listet 309 Sterne-Restaurants auf, davon eins im Kleinwalsertal, das zu Österreich gehört eine Straßenverbindung nur nach Deutschland hat.