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Religion - Heidelberg

Zentralrat: Unwissenheit ist Nährboden für Vorurteile

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Heidelberg (dpa/lsw) - Das Wissen um Judentum ist aus Sicht des Zentralrats der Juden in Deutschland gering. "Unwissenheit ist jedoch ein idealer Nährboden für Vorurteile", sagte Verbandspräsident Josef Schuster anlässlich der Feier zum 40-jährigen Bestehen der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg. Deshalb sei das Vermitteln von vertieftem und spezialisiertem Wissen über die jüdische Geschichte, Kultur und Religion sowohl für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland als auch für Deutschland als Ganzes so wichtig. Die Hochschule bilde Multiplikatoren aus, die an vielen Stellen in die Gesellschaft hinein- und Antisemitismus entgegenwirken könnten. Zudem sei sie für junge Juden ein Ort der Identitätsstiftung.

Die Diskriminierung von Juden in Deutschland hat im vergangenen Jahr zugenommen. Die Zahl antisemitischer Straftaten ist um rund ein Fünftel auf 1799 (2017: 1504) gestiegen. Weit überwiegend (89,1 Prozent) sind diese Straftaten laut Bundesinnenministerium nach wie vor rechten Kräften zuzuordnen.

Der Zentralrat gründete die Hochschule 1979. Die Vorgängerinstitution in Berlin war von den Nazis zerstört worden. Er trägt dabei Kosten von 650 000 Euro im Jahr. Die restlichen drei Viertel steuern der Bund und das Land Baden-Württemberg bei. Derzeit studieren 130 junge Menschen jüdische Studien in Heidelberg, vor zehn Jahren waren es noch 170. Die Hochschule setzt deshalb auf europäische und internationale Kooperationen etwa mit dem "European Institute for Jewish Studies (Paideia)" in Schweden. Die Mehrheit der Studierenden ist nicht jüdischen Glaubens, es gibt darunter auch Muslime, die Nahoststudien absolvieren.

Zentralratspräsident Schuster wertete den erwarteten Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Jubiläum als Signal der Wertschätzung für die Hochschule und auch darüber hinaus. Steinmeier wäre der dritte Bundespräsident nach Joachim Gauck (Juni 2015) und Johannes Rau (Oktober 1999), der die Hochschule besucht.

Zunächst war die Hochschule gegründet worden mit dem Ziel, Mitarbeiter für die jüdischen Gemeinden auszubilden. Sie ist auch heute noch ein Reservoir für Personal. So unterstreicht die Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, Barbara Traub, die Rolle des "europäischen Kompetenzzentrums für jüdische Studien" als Quelle für den Nachwuchs an Lehrern und Verwaltungsmitarbeitern sowie als Weiterbildungseinrichtung.