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Prozesse - München

NSU: Nebenkläger bezweifeln Motiv für Polizistenmord

Direkt aus dem dpa-Newskanal

München (dpa) - Die Hintergründe für den Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn sind nach Ansicht der Nebenkläger im NSU-Prozess bis heute nicht geklärt. Für die Mutter Kiesewetters sei die Frage nach dem Warum nicht beantwortet, sagte ihr Anwalt Stefan Gärtner am Mittwoch in seinem Plädoyer im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München. 

Auch für den Mord an Kiesewetter ist Beate Zschäpe als Mittäterin angeklagt. Dafür und für neun fremdenfeindlich motivierte Morde hat die Bundesanwaltschaft lebenslange Haft für sie beantragt.

Die 22-jährige Kiesewetter war am 25.April 2007 erschossen worden. Gemeinsam mit einem Kollegen saß sie während einer Pause in ihrem Einsatzwagen. Die Täter sollen sich von hinten herangeschlichen und den Polizisten ohne Vorwarnung in den Kopf geschossen haben. Kiesewetter starb, ihr Kollege überlebte schwer verletzt. Die Schützen sollen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gewesen sein. 

Als Motiv nimmt die Anklage Hass auf den Staat an. Die Terroristen hätten es außerdem auf die Waffen der Polizisten abgesehen gehabt. Das bezweifle er, sagte Anwalt Gärtner "Warum Heilbronn? War Zschäpe dabei?" Ungeklärt sei auch, warum die beiden Terroristen auf dem Weg zurück nach Zwickau zunächst einen Umweg fuhren. Kritik übte er an der Heilbronner Staatsanwaltschaft, die ihm bis heute Einblick in Ermittlungsakten verweigere.

Rechtsanwalt Walter Martinek sagte, ebenso könnten Mundlos und Böhnhardt einen weiteren fremdenfeindlichen Anschlag geplant haben. Das Polizeiauto auf der Theresienwiese könne sie gestört haben, weshalb sie die beiden Beamten angriffen. Das sei nicht spekulativer als die Version der Bundesanwaltschaft. Martinek vertritt den Kollegen Kiesewetters.

Er kritisierte außerdem, dass Zeugen nicht gehört wurden, die mehr als zwei Männer vom Tatort weglaufen sahen. Daten aus den umliegenden Mobilfunkzellen seien nur unzureichend ausgewertet worden. Zudem hätten die deutschen Behörden ein Gesprächsangebot von US-Geheimdiensten zur Heilbronner Tat "rundweg abgelehnt". Der Tod eines vermeintlichen Zeugen sei nicht untersucht worden, weil der zuständige Staatsanwalt das der Polizei untersagt habe.

Anwalt Gärtner sagte, Kiesewetter wäre jetzt 33 Jahre alt und "hätte vielleicht eine Familie gegründet". Stattdessen habe sie eine "verzweifelte Familie" hinterlassen. Wie Zschäpe sei auch Kiesewetter ein "Kind der DDR" gewesen und in Thüringen aufgewachsen. Und an Zschäpe gewandt: "Sie hat aber im Gegensatz zu Ihnen den Vorsatz verfolgt, aus ihrem Leben etwas zu machen." Zschäpe nahm das reglos auf.