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Prozesse - Lübeck

Ex-Chef des Weißen Rings ab Juni vor Gericht

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Lübeck (dpa/lno) - Am 20. Juni beginnt am Amtsgericht Lübeck der Prozess gegen einen ehemaligen Leiter der Opferschutzorganisation Weißer Ring. Der 73-Jährige muss sich laut Anklage wegen einer exhibitionistischen Handlung gegenüber einer damals 38 Jahre alten Frau verantworten. Er soll im Rahmen eines Beratungsgesprächs unaufgefordert sein Geschlechtsteil entblößt und die Frau aufgefordert haben, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen. Für den Prozess hat das Amtsgericht vier Verhandlungstage angesetzt.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft in vier Fällen Anklage gegen den früheren Leiter der Lübecker Außenstelle des Weißen Rings erhoben. Das Landgericht Lübeck hatte jedoch entschieden, nur den Vorwurf des Exhibitionismus zu verhandeln und das Amtsgericht Lübeck für zuständig erklärt.

Der Prozessbeginn hatte sich nach Angaben des Gerichts verzögert, weil auf Antrag der Staatsanwaltschaft zunächst ein aussagepsychologisches Gutachten für die Hauptbelastungszeugin erstellt werden musste. Da der Beschuldigte den Tatvorwurf bestreitet, wird in dem Prozess Aussage gegen Aussage stehen.

Anfang 2018 hatten mehr als 29 Frauen den Angeklagten beschuldigt, sie bedrängt oder belästigt zu haben. Alle Frauen hatten sich ratsuchend an den Weißen Ring gewandt, nachdem sie Opfer von Straftaten geworden waren. In vielen Fällen seien die Taten aber bereits verjährt gewesen oder es habe keinen hinreichenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten gegeben, hatte die Staatsanwaltschaft bei Anklageerhebung im September 2018 mitgeteilt.

Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den 73-Jährigen war der Landesvorstand des Weißen Ringes in die Kritik geraten. Schließlich trat der gesamte Landesvorstand zurück. Im August wurde schließlich die frühere Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler zur neuen Landesvorsitzenden der Opferhilfsorganisation gewählt.