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Prozesse - Leipzig

Leipziger Rocker-Mord: Verteidiger werten Tat als Notwehr

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Leipzig (dpa/sn) - Drei Jahre nach den tödlichen Schüssen im Leipziger Rockermilieu könnte bald ein Urteil fallen. Vier Mitglieder des inzwischen aufgelösten Leipziger Chapters der Hells Angels sind vor dem Landgericht Leipzig wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt.

Am 88. Verhandlungstag trugen am Montag die Verteidiger von zwei der Angeklagten ihre Plädoyers vor: Die Anwälte des mutmaßlichen Schützen forderten eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. "Ich gehe davon aus, dass die Kammer ihn wegen Totschlags und versuchten Totschlags verurteilen wird", sagte der Anwalt des 33-jährigen Angeklagten am Montag im Landgericht. Er forderte das Gericht auf, die Schüsse als Notwehr zu bewerten. Immerhin hätten die Anhänger der rivalisierenden United Tribuns einen Bekannten seines Mandanten angegriffen.

Die Verteidiger des früheren Präsidenten der Leipziger Hells Angels forderten für ihren Mandanten eine Haftstrafe von höchstens drei Jahren und sechs Monaten wegen schweren Landfriedensbruchs. Ihr 36 Jahre alter Mandant habe zwar im Juni 2016 gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Hells Angels auf der Eisenbahnstraße Macht demonstrieren wollen, sagte die Verteidigerin. Allerdings zweifelte sie daran, dass er sich direkt am Tatort aufhielt, als die tödlichen Schüsse fielen.

"Es ist nicht festgestellt worden, wann was besprochen wurde", sagte ein weiterer Verteidiger des 36-Jährigen. Es ist umstritten, ob alle Männer wussten, dass die Schüsse fallen würden - ob es also einen vorher gefassten Tatplan gab.

Zwei Plädoyers wurden am Montag verlesen, zwei werden am Dienstag erwartet. Ein Urteil im Prozess könnte am 4. Juni fallen. Der Staatsanwalt forderte in der vergangenen Woche lebenslange Haft für alle vier Männer zwischen 33 und 47 Jahre.

Sie sind wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Der damals 31-Jährige Haupttäter soll im Juni 2016 ein Mitglied der rivalisierenden United Tribuns in der Leipziger Eisenbahnstraße erschossen haben. Zwei weitere wurden verletzt. Den Hells Angels sei es um "Clubrache" gegangen. Der Staatsanwalt hatte lebenslang für alle vier Angeklagten gefordert.