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Prozesse - Koblenz

Prozess gegen "Bruderschaft" wegen Drogenschmuggel

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Koblenz (dpa/lrs) - Nach den Regeln einer russischen Gruppierung sollen auch in Rheinland-Pfalz viele Häftlinge den Drogenhandel in Gefängnissen beherrschen - nun versucht in Koblenz ein Prozess, Licht in dieses Dunkel zu bringen. Sieben Angeklagte stehen dort seit Donnerstag unter dem Verdacht von Drogenschmuggel, Erpressung und Nötigung vor dem Landgericht.

Oberstaatsanwalt Oliver Rissel warf den Männern vor, sich von 2012 bis 2016 mit Amphetaminen, Kräutermischungen, Subutex-Tabletten und auch Handys im Gefängnis Diez im Rhein-Lahn-Kreis versorgt haben. Hinzu gekommen sei die Eintreibung von Schutzgeld. In einem Fall sei außerhalb des Gefängnisses vom Vater eines Gefangenen 1000 Euro an einen Mittelsmann der Angeklagten gezahlt worden.

Rissel warf den sieben russisch- und kasachischstämmigen Angeklagten die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor. Sie hätten straff und hierarchisch mit einem "ältesten Bruder", einem Unterführer und Blockführern eine "Bruderschaft" gebildet, die sich den Regeln der Organisation "Diebe im Gesetz" unterworfen habe. Im "Obschak" (Korb), einer Gemeinschaftskasse, seien Geld, Drogen und Tabak verwaltet worden. Neue russisch- und kasachischstämmige Gefangene seien mit "Starterpaketen in den Verbund gedrängt" worden. Die Drogen seien bei Besuchen und Überwürfen über die Mauer in das Gefängnis geschmuggelt worden.

Die "Diebe im Gesetz" zählen nach früheren Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) zu den gefährlichsten Gruppierungen der organisierten Kriminalität. Sie hätten sich schon in Stalins Straf- und Arbeitslagern gegründet. Inzwischen haben sie laut BKA wie in der einstigen Sowjetunion auch in deutschen Gefängnissen Netzwerke gebildet.