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Prozesse - Göttingen

Mann bestellt jahrelang Bahn-Tickets unter Alias-Namen

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Göttingen (dpa/lni) - Weil er die Deutsche Bahn im großen Stil um Fahrkarten betrogen haben soll, steht seit Donnerstag ein Mann aus dem Landkreis Göttingen vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 44-Jährigen gewerbsmäßigen Computerbetrug vor. Der Angeklagte soll 2015 und 2016 unter diversen Alias-Namen im Internet Einzelfahrscheine, Monats- und Jahreskarten für zusammen knapp 60 000 Euro bestellt und nicht bezahlt haben. Laut Staatsanwaltschaft befanden sich unter den Tickets auch Fahrkarten für Auslandsreisen unter anderem in die Schweiz und nach Schweden.

Der 44-Jährige, der in Handschellen aus der Untersuchungshaft in den Verhandlungssaal geführt wurde, gab vor dem Amtsgericht Göttingen einen Teil der Vorwürfe zu. Er gestand, unter verschiedenen Namen Kundenkonten bei der Deutschen Bahn eingerichtet und dann im Internet Fahrscheine bestellt zu haben. An seinem Briefkasten habe er die jeweiligen Namen angebracht, damit die Fahrscheine zugestellt werden konnten.

Er habe nur wenige Tickets für sich selbst verwendet, unter anderem eine Bahncard Erster Klasse, sagte der Angeklagte. Diese habe er für gemeinsame Reisen mit seinem Hund genutzt. Viele Fahrkarten habe er an ihm zum Teil fremde ältere Menschen verschenkt, die er zufällig kennengelernt habe. "Ich habe nämlich ein Helfer-Syndrom", sagte der 44-Jährige. Er habe sich gefühlt wie Robin Hood, der den Reichen nehme und den Armen gebe. Beim Staatsanwalt riefen diese Äußerungen Stirnrunzeln hervor. Das Verfahren soll im Juni fortgesetzt werden.