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Prozesse - Fulda

Ex-AfD-Mitglied bestreitet Psychoterror-Kampagne: Prozess

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Fulda (dpa/lhe) - Der Fall sorgte für Aufsehen und am Donnerstag für großes Medieninteresse und gut gefüllte Zuschauerbänke im Amtsgericht Fulda. Ein 36-Jähriger aus dem osthessischen Künzell, ehemals Vorstandsmitglied der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) Hessen, ist wegen Notrufmissbrauchs und falscher Verdächtigung angeklagt. Der Geschädigte Andreas Goerke ist Sprecher des antifaschistischen Bündnisses "Fulda stellt sich quer" - ein Verein, der sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus engagiert.

Der Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft am 11. Februar 2017 von einer Telefonzelle in Fulda die Polizei angerufen und unter Goerkes Namen behauptet haben, er habe gerade seine Frau erschossen. Die Folge: ein großer Polizeieinsatz - wobei die Beamten bereits ahnten, dass der Anruf möglicherweise ein schlechter Scherz war, wie sie am Donnerstag aussagten.

Goerke, der im Prozess als Nebenkläger auftritt, sagte, dieser Tag sei einer der schlimmsten in seinem Leben gewesen. Danach sei er in ein tiefes seelisches Loch gefallen und habe die Sache nur schlecht verarbeiten können.

Der Angeklagte bestreitet die Tat. Aber laut Richter soll er den fingierten Notruf gegenüber einer Zeugin gestanden haben. Mehrere Zeugen wollen seine Stimme wiedererkannt haben, darunter der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann (Neuhof). Ein anderer Zeuge, der die Stimme des Angeklagten ebenfalls wiedererkannt haben soll, ist am Dienstagabend bei einem Spazierengang von zwei maskierten Männern überfallen und bedroht worden. Mit der Frage des Richters konfrontiert, ob der 44-Jährige - ein AfD-Aussteiger - eingeschüchtert werden sollte, lacht der Angeklagte und sagt, er habe damit nichts zu tun.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte den Notruf mit fingierter Selbstbezichtigung als Teil einer Psychoterror-Kampagne initiiert hatte, weil ihm Goerkes politische Aktivitäten missfielen. Der Angeklagte sagte am Donnerstag: "Ich habe mit dieser Kampagne nichts zu tun."

Bereits zuvor sollen Unbekannte Psychoterror gegen Andreas Goerke ausgeübt haben. Er hatte eine Flut von Post, Büchersendungen und nicht bestellte Pizza bekommen. Der Höhepunkt war eine anonyme Morddrohung gegen seinen 17-jährigen Sohn. Aber für diese Übergriffe hat die Staatsanwaltschaft noch keine Täter ermittelt.

Der Angeklagte ist mittlerweile aus der AfD ausgetreten. Vor Gericht erklärte er, mehrere AfD-Mitglieder hätten sich von ihm distanziert. Mit einem Urteil ist am 28. März zu rechnen.