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Prozesse - Friedland

Ein Geständnis nach Angriff auf Asylbewerber in Friedland

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Neubrandenburg (dpa/mv) - Im Prozess um eine Gewaltattacke auf zwei Asylbewerber in Friedland bei Neubrandenburg hat der ältere Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Er sei mit seinem Bekannten den Zuwanderern im April 2018 hinterhergelaufen und habe einen von ihnen geschlagen, sagte der zur Tatzeit 31 Jahre alte Mann am Montag am Amtsgericht Neubrandenburg. Grund für die Attacke sei gewesen, dass die Asylbewerber aus Eritrea, die in einer Gemeinschaftsunterkunft in Friedland lebten, an dem Tag an der Gruppe mit Rädern vorbeigefahren seien und "einen Finger gezeigt haben". Damit sei der Mittelfinger gemeint, was eine beleidigende Geste sein soll, erläuterte einer der Anwälte. Der zweite Angeklagte im Alter von 22 Jahren schwieg bisher vor Gericht.

Den Angeklagten wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Der Vorfall hatte sich am 19. April 2018 am Naherholungsgebiet Mühlenteich ereignet. Laut Staatsanwaltschaft waren die Opfer damals auf Rädern an etwa sechs Betrunkenen vorbeigefahren, die sich mit zwei Hunden dort aufhielten. Die Angeklagten sollen sie gestoppt, geschlagen und ihre Räder in den Teich geworfen haben.

Einer der Geschädigten berichtete, dass anfangs die beiden Hunde der Gruppe zu ihnen gelaufen seien. Man habe Angst bekommen, aber nicht genau verstanden, was aus der Gruppe dazu gerufen worden sei. Beleidigt hätten sie niemanden. Kurz danach seien die Angeklagten ihnen nachgelaufen und hätten sie geschlagen.

Die Opfer hatten fliehen können und nach Angaben der Polizei keine erkennbaren Verletzungen erlitten. "Der Ärger war schmerzlicher als die Schmerzen", sagte ein Geschädigter. Nach diesem Vorfall sei aber die Angst geblieben, dass so etwas noch einmal passieren könnte. Der zweite Geschädigte wurde laut Staatsanwaltschaft in der Zwischenzeit abgeschoben.

Die Attackierten riefen damals die Polizei. "Die Klärung war aufgrund der Sprachprobleme aber schwierig", sagte ein als Zeuge geladener Polizist. Doch man kannte die Betrunkenen aus der Gruppe bereits von früheren Vorfällen. Schnell sei klar gewesen, dass die beiden Angeklagten die mutmaßlichen Schläger seien. "Als wir kamen, war die Gruppe aber erst noch sehr aggressiv", sagte der Polizist. Er und eine Praktikantin hätten zwischen den Geschädigten und den Friedländern gestanden. Dann sollen auch Begriffe wie "Scheiß Ausländer" und "Neger" gefallen sein. Das habe man aber keinem Beteiligten genau zuordnen können. Später sei Verstärkung gekommen.

Bei den Angeklagten waren damals fast zwei Promille Alkohol gemessen worden. Das Duo ist laut Polizei wegen diverser Straftaten bekannt, aber nicht wegen politisch motivierter Taten. Dem 22-Jährigen werden in dem Prozess auch Trunkenheitsfahrten angelastet. Die Geschädigten haben ihre Räder inzwischen wieder zurück. Die Verteidiger Dietmar Kernchen und Thomas Schröder erklärten, dass sich ihre Mandanten inzwischen auch entschuldigt hätten. Der Geschädigte sagte dazu, dass er nicht verstanden habe, was der Angeklagte in Friedland zu ihm gesagt habe und auch keinen Kontakt wünsche. Die Plädoyers und ein Urteil werden voraussichtlich am 2. Juli erwartet.