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Polizei - Frankfurt am Main

Polizei mahnt mit Präventionsaktion zu mehr Rücksicht

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Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Ohne Rücksicht auf Fußgänger, die gerade die Straße überqueren, abgebogen: Dieses Verhalten eines Autofahrers im Frankfurter Stadtzentrum kommt bei der Schwerpunktkontrolle der Polizei gar nicht gut an. Den Zeigefinger mahnend erhoben, lässt sich ein Beamter die Fahrzeugpapiere zeigen und belehrt den Fahrer, dass Fußgänger keine Knautschzone haben. Die sogenannten schwächeren Verkehrsteilnehmer stehen in dieser Woche in einer landesweiten Kontrollaktion der Polizei in Hessen im Mittelpunkt. Fußgänger und Radfahrer sind schließlich besonders verletzlich - und das gilt gerade für Kinder, alte Menschen oder Menschen mit Behinderungen.

"Die Prävention soll im Vordergrund stehen", sagt Polizeidirektor Erik Hessenmüller, Leiter der Direktion Verkehrssicherheit bei der Frankfurter Polizei. Denn die sogenannten schwächeren Verkehrsteilnehmer spielen in der Unfallstatistik eine wesentliche Rolle.

So stellten Fahrradfahrer und Fußgänger in Frankfurt im vergangenen Jahr mehr als 40 Prozent aller im Straßenverkehr verunglückten Menschen. Während laut Frankfurter Verkehrsbericht die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen Kinder im Stadtgebiet verletzt wurden, deutlich gesunken ist, waren ältere Menschen überproportional häufig an Verkehrsunfällen beteiligt, besonders an Unfällen mit schweren Folgen.

Für die Kontrollaktionen wurden unter anderem Unfallschwerpunkte ausgewählt oder Orte, an denen Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer in eine Konfliktsituation geraten können. Nicht immer ist Einsicht da. Auch der Fahrradfahrer, der die Hände in die Seiten stemmt und mit den Beamten hitzig diskutiert, will nicht wirklich einsehen, dass er nicht auf dem Gehweg fahren darf. Manche Verkehrsteilnehmer seien da "eher auf Krawall gebürstet", meint einer der Polizisten über die bisherigen Gespräche. Vor allem dann, wenn obendrein ein Bußgeld für den Verkehrsverstoß eingefordert wird: Für den Fahrradfahrer etwa werden 20 Euro fällig.

Ist Frankfurt im hessischen Landesvergleich eine Hochburg von Verkehrssündern? Hessenmüller schüttelt den Kopf - da könne man gar nicht direkt vergleichen. "In den unterschiedlichen Polizeipräsidien gibt es ganz verschiedene Ortsbedingungen, da ist ein Ranking schwierig." Wo es in Frankfurt um die Herausforderungen des Großstadtverkehrs gehe, seien etwa in Südhessen viele Motorradfahrer unterwegs. "In Osthessen wiederum, da ist viel Gegend - mit Lastwagenverkehr und Wildunfällen."

Dementsprechend unterscheiden sich auch die Schwerpunkte der Prävention. So hat sich das Augenmerk der Polizei in Westhessen am Mittwoch insbesondere auf die sogenannten "Elterntaxis" gerichtet. Denn wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, nehmen sie nicht immer Rücksicht auf Engstellen oder verkehrsberuhigte Zonen. Dass andere Präventionsmaßnahmen durchaus greifen, zeigt der Polizeibericht der Aktion in Wiesbaden: Eine ältere Dame wollte unbedingt den Dienstausweis sehen, "weil es sich ja auch um falsche Polizeibeamte handeln könnte".

Thomas Conrad, Leiter der Geschäftsstelle der Hessischen Verkehrswacht, sieht im Verhalten im Straßenverkehr auch einen Spiegel von Veränderungen in der Gesellschaft, auch wenn man da nicht verallgemeinern dürfe: "Es gibt weniger Respekt und Verständnis." Mancher Konflikt liegt seiner Meinung nach auch an der immer größer werdenden Mobilitätsgesellschaft: "Vor 50 Jahren war mehr Platz auf der Straße - für alle." Heute dagegen sorgten Diskussionen über zusätzliche Fahrradspuren auf der Straße schnell zu Verlustängsten bei Autofahrern.

Allerdings ist Rücksicht keine Einbahnstraße: Manchmal sind es gerade die "Schwächeren", die sich ebenfalls nicht um Verkehrsregeln scheren. Bei roter Ampel die Straße zu überqueren sei offenbar eine Eigenheit vieler Frankfurter Fußgänger, meint einer der Polizisten.

Dass auch eine einwöchige Aktion nicht an jedem Verkehrsbrennpunkt ansetzen kann, ist klar. In den sozialen Medien macht die Polizei daher in diesen Tagen unter dem Hashtag #MehrVorsichtMehrRücksicht auf das Thema aufmerksam. Die Reaktionen sind durchaus geteilt, sagt Hessenmüller. "Das reicht von "tolle Aktion" bis "Kümmert euch lieber um richtige Verbrecher"".