bedeckt München 23°

Polizei - Erfurt

Streit unter Nachbarn Dauerthema für die Polizei

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Erfurt (dpa/th) - Manchmal ist es der Müll, oft der Lärm - streitende Nachbarn halten die Thüringer Polizei auf Trab. "Einsätze wegen Nachbarschaftsstreitigkeiten sind sehr häufig", sagte ein Sprecher der Landespolizeidirektion der Deutschen Presse-Agentur zum Tag des Nachbarn an diesem Freitag. "Man kann fast sagen, dass jede Dienststelle mindestens einmal täglich einen solchen Einsatz fährt." Konkrete Zahlen liegen nicht vor, da solche Vorkommnisse nicht etwa als Nachbarschaftsstreit in der Statistik geführt werden, sondern zum Beispiel als Ruhestörung.

Nach Angaben des Polizeisprechers sind die Streitanlässe vielfältig. Lärm spiele häufig eine Rolle, auch die Entsorgung von Abfall führe immer wieder zu Konflikten. Die Beamten würden auch gerufen, wenn es gar nicht um strafrechtlich relevantes Verhalten gehe, sondern um zivilrechtliche Streitigkeiten.

Eine Sprecherin des Thüringer Mieterbundes sagte, nach den Erfahrungen der Berater ist der Hauptgrund für Streit unter Nachbarn Lärm aus der Nebenwohnung - zum Beispiel Türknallen, Lärm von Haushaltsgeräten zu Ruhezeiten, Laufgeräusche, Kinderlärm oder auch Musik. "Seltener wird von körperlichen oder verbalen Belästigungen berichtet", sagte die Sprecherin.

In ländlichen Regionen würde Streit unter Nachbarn häufig von den dortigen Kontaktbereichsbeamten vor Ort gemeistert, sagte der Sprecher der Landespolizeidirektion. Diese Polizisten würden "viele der Streitenden mitunter jahrelang begleiten". Auch bei solchen Einsätzen müssen die Beamten auf ihre eigene Sicherheit achten, weil auch solche Konflikte schnell eskalieren können.

Denkbar sei sogar, dass sich die Streithansel plötzlich gemeinsam gegen die Polizei wendeten. Vor allem sei Geduld gefragt. Oft sei es wichtiger, zu moderieren statt Verantwortliche oder Schuldige festzustellen. Das gelte besonders dann, wenn die Polizei zu zivilrechtlichen Konflikten gerufen werde. Dort könne sie gar nicht helfen, etwa beim Streit über den Verlauf der Grundstücksgrenze. Die Sprecherin des Mieterbundes sagte, ein gemeinsames Gespräch sei immer die beste Lösungsmöglichkeit. Sinnvoll sei, eine neutrale Person hinzuzuziehen, etwa einen Mediator. Auch könne ein Gespräch mit dem Vermieter erfolgreich sein. "Für alle Varianten ist aber Voraussetzung, dass beide Streitparteien gesprächs- und einigungsbereit sind", sagte sie. Sehr wichtig sei das Bewusstsein, dass ein Zusammenleben in einem Mehrfamilienhaus immer Verständnis und gegenseitige Rücksichtnahme erfordere.

Wenn dieses Bewusstsein fehle, verhärteten sich die Fronten oft, sagte die Sprecherin des Mieterbundes. Das führe zu teilweise drastischen Schritten: Nicht selten würden Mieter ausziehen, um den Störungen durch ihre Nachbarn zu entgehen.