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Notfälle - Lübeck

Tod nach Fixierung: Staatsanwaltschaft Lübeck erhebt Anklage

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Lübeck (dpa/lno) - Rund eindreiviertel Jahre nach dem Tod eines 33-Jährigen in einem Lübecker Krankenhaus hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge gegen mehrere Krankenhausmitarbeiter und Polizisten erhoben. Das teilte die Behörde am Mittwoch in Lübeck mit. Zuvor hatten Medien berichtet.

Der 33-Jährige hatte Ende August 2017 in Lübeck in einem verwirrt erscheinenden Zustand Fahrzeuge und Mülltonnen beschädigt. Die Polizei brachte ihn daraufhin in die psychiatrische Abteilung des Krankenhauses. Da der Mann, der mutmaßlich unter Drogeneinfluss stand, sich hochgradig aggressiv verhalten habe, wurde er den Angaben zufolge auf Anordnung einer Ärztin für die Behandlung auf einem Krankenbett fixiert. Wegen der massiven Gegenwehr des Patienten sei die Beteiligung der Polizeibeamten, der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes und der Krankenpfleger an der Fixierung erforderlich gewesen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft besteht der hinreichende Verdacht, dass ein Sicherheitsdienstmitarbeiter im Zusammenhang mit der Fixierung ein Kopfkissen nahm und damit den Kopf des Patienten so zur Seite drückte, dass die Atmung erheblich behindert wurde. Der Mann starb Mitte September 2017 nach einer Zeit im Koma an einem sauerstoffmangelbedingten Hirnschaden.

Gegen den Mitarbeiter des vom Klinikum eingesetzten Sicherheitsdienstes und einen Kollegen, drei Krankenpflegekräfte, zwei Ärztinnen und die fünf an dem Einsatz beteiligten Polizeibeamten wurde nun Anklage erhoben. Da der Sicherheitsdienstmitarbeiter zur Tatzeit 19 Jahre alt war, wurde die Anklage vor der Jugendkammer des Landgerichts Lübeck erhoben. Über die Eröffnung des Hauptverfahrens wurde noch nicht entschieden.

In Hamburg war Ende April ein 34-jähriger Psychiatrie-Patient im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) an Herzversagen gestorben, nachdem Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes ihn gewaltsam fixiert hatten.