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Kriminalität - Schwerin

Ministerin fordert Konsequenzen der katholischen Kirche

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Schwerin (dpa/mv) - Nach Bekanntwerden des Ausmaßes von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche hat Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) Konsequenzen gefordert. Die Kirche müsse konkrete Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen einleiten, forderte sie am Donnerstag in Schwerin. "Strukturen, die den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen begünstigen, müssen aufgebrochen und flächendeckende Präventionskonzepte entwickelt werden, die dann auch konsequent umzusetzen sind."

Eine am Dienstag vorgestellte Studie hatte den massiven sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Kleriker in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland detailliert belegt. Zwischen 1946 und 2014 sollen demnach mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 meist männliche Minderjährige missbraucht haben.

In Mecklenburg und Vorpommern sei die Zahl der Missbrauchsfälle überproportional hoch, sagte Drese. "Vielen Kindern und Jugendlichen wurde unendliches Leid angetan. Umso schlimmer ist es, dass der Leiter der Studie von einer Spitze des Eisbergs spricht und davon, dass Missbrauch in der Katholischen Kirche weiterhin anhält."

Die Ministerin forderte vollständige Aufklärung und die sofortige Meldung von Verdachtsfällen an die Staatsanwaltschaft. "Es muss endlich Schluss damit sein, dass der Schutz von Institution und Beschuldigten Vorrang vor den Interessen der Opfer hat", sagte sie.

Die Kirche sei kein rechtsfreier Raum, hinter deren dicken Mauern der gesetzliche Kinder- und Jugendschutz außer Kraft gesetzt sei. Drese begrüßte, dass die katholische Gemeinde in Neubrandenburg eine Expertenkommission mit externen Wissenschaftlern einsetzen will. "Das wäre ein Weg auch für andere katholische Gemeinden", sagte sie.