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Kriminalität - Kiel

Kein Landesbeauftragter gegen Kindesmissbrauch in SH

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Kiel (dpa/lno) - Schleswig-Holstein will nach derzeitigem Stand keinen Landesbeauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs von Kindern etablieren. Für die Beratung und Betreuung von Betroffenen, für die Sensibilisierung und Fortbildung von Fachkräften sowie für die Prävention seien in den vergangenen Jahren gute Arbeitsstrukturen geschaffen und ausgebaut worden, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Ein Beauftragter des Landes werde da nicht benötigt.

Der Bundesbeauftragte Johannes-Wilhelm Rörig hatte die Länder aufgefordert, eigene Missbrauchsbeauftragte zu installieren. In Deutschland werden - bei einer hohen Dunkelziffer - jedes Jahr Tausende Missbrauchsfälle gemeldet. Die Arbeit des Bundesbeauftragten im Blick auf bundesweite Fragestellungen habe sich aus Sicht des Kieler Sozialministeriums bewährt, sagte der Sprecher.

Schleswig-Holstein habe seit 2010 mehrere Fachtagungen zum Thema Kindesmissbrauch ausgerichtet. Zwischen 2014 und 2016 habe es zudem sechs Regionalkonferenzen zur Entwicklung von Schutzkonzepten gegeben, sagte der Sprecher. Konkrete Hilfe gebe es auch für Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs in Institutionen des Landes.

Unterdessen erhöhte der Bundesbeauftragte den Druck auf die Länder, ebenfalls solche Stellen zu schaffen. Rörig schrieb dazu die Regierungschefs aller 16 Länder an. "Nach Ostern rechne ich mit ersten Rückmeldungen", sagte er der Deutschen Pressse-Agentur. "Mit Blick auf die neueste Polizeiliche Kriminalstatistik und die nach wie vor riesige Dimension von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche wünsche ich mir von den Landesregierungen, dass sie dem Thema aufgeschlossen begegnen und bereit sind, entsprechend zu handeln. Das erwarte ich eigentlich."

In Schleswig-Holstein wurde in einem vor elf Jahren in Kraft getretenen Gesetz die Förderung des Schutzes von Kindern verankert. Auf dieser Grundlage fördert das Land Angebote, die dazu beitragen, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zu verhindern. Es gibt auch ein flächendeckenden Netz an Familienbildungsstätten und Beratungsangeboten. Seit 2016 ist die Bürgerbeauftragte des Landes für soziale Angelegenheiten auch als Ombudsfrau für Kinder und Jugendliche in Heimen und Wohngruppen tätig. Eine externe Expertenkommission erstellt regelmäßig einen Kinderschutzbericht für das Land.