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Kriminalität - Detmold

Hamelner Opferanwalt hofft auf Geständnisse im Lügde-Prozess

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Hameln (dpa/lni) - Vor dem Prozess um den massenhaften Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hofft Opferanwalt Roman von Alvensleben, dass die mehr als 40 betroffenen Kinder nicht noch einmal vor Gericht aussagen müssen. "Ich appelliere an alle Beschuldigten, Geständnisse abzulegen", sagte der Jurist aus Hameln der Deutschen Presse-Agentur. Er vertritt eine heute Zehnjährige, die im Sommer 2018 Opfer sexueller Gewalt wurde. Die Strafanzeige ihrer Mutter hatte die Ermittlungen gegen einen 56-jährigen Dauercamper ins Rollen gebracht. Der Mann war vom Landkreis Hameln trotz mehrerer Hinweise auf sexuell übergriffiges Verhalten als Pflegevater für ein kleines Mädchen eingesetzt worden. "Wir wollen, dass der nicht mehr aus dem Gefängnis herauskommt", betonte von Alvensleben.

Dem Deutschen werden 298 Straftaten gegen 23 Kinder vorgeworfen, davon über 100 gegen sein damaliges Pflegekind. Ein 34-Jähriger aus Steinheim bei Höxter soll in 162 Fällen acht Mädchen und neun Jungen missbraucht haben. Ein weiterer 49 Jahre alter Angeklagter aus Stade soll die Taten im Internet verfolgt und teilweise zu ihnen angestiftet haben. Der Prozess startet am 27. Juni vor dem Landgericht Detmold.

Der Schutz der traumatisierten Kinder müsse oberste Priorität bei der Gerichtsverhandlung haben, sagte der Hamelner Anwalt. Gleichzeitig forderte er, das Thema Kindesmissbrauch in die Öffentlichkeit zu bringen, ohne die Opfer zu stigmatisieren. Nach von Alvenslebens Beobachtung werden Taten oft aus Scham und Angst verschwiegen.

Wegen des Behördenversagens in dem Fall prüft von Alvensleben auch Klagen auf Schadensersatz beziehungsweise Schmerzensgeld gegen den Landkreis Hameln sowie die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. "Es wäre weniger Leid entstanden, wenn Polizei und Jugendamtsmitarbeiter ordentlich gearbeitet hätten", ist er sicher. "Jedes Kind hat ein Einzelschicksal." Seine Mandantin sei traumatisiert und befinde sich in Therapie.

Er sei geschockt, dass das Jugendamt Hameln Hinweisen auf Pädophilie des Campers im Jahr 2016 nicht konsequent nachgegangen sei und ihm Anfang 2017 sogar die Pflegschaft für das Kind übertrug. Auch das Verschwinden eines Koffers mit 155 CDs und DVDs aus einem Raum der Polizeibehörde in Detmold sei völlig unverständlich. "Ich verlange, dass das aufgeklärt wird."