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Kriminalität - Berlin

Katholische Kirche bestraft Täter in Missbrauchsskandal

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Berlin/Hildesheim (dpa/lni) - Fast zehn Jahre nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals am Berliner Canisius-Kolleg mit mehr als 100 Opfern verliert einer der damaligen Haupttäter sein Priesteramt. Außerdem wird ihm ein Großteil seiner Pension entzogen, teilte das Bistum Hildesheim am Mittwoch mit. Der Vatikan habe ein Urteil des Erzbistums Berlin bestätigt, wonach sich Pater Peter R. (77) auch an Kindern in Niedersachsen vergangen hat. In Absprache mit Betroffenen zahle die Kirche 20 000 Euro zur Aufarbeitung der Geschehnisse am Canisius-Kolleg.

Wie das Bistum Hildesheim erklärte, ist die Entlassung aus dem Klerikerstand das höchste Strafmaß, das ein Kirchengericht verhängen kann. Die Pension des Paters wird demnach auf ein Mindestmaß zur Grundsicherung im Alter gekürzt.

Peter R. arbeitete von 1972 bis 1981 als Religionslehrer und Jugendseelsorger an dem Berliner Jesuiten-Gymnasium, später von 1982 bis 2003 im Bistum Hildesheim. Schon Anfang der 80er Jahre baten Berliner Schüler um Hilfe und Ende der 80er Jahre gab es Hinweise auf zurückliegende Übergriffe auf Mädchen in Göttingen. Erst 2010 aber wurde der jahrzehntelange Missbrauch aufgedeckt.

Nach einer 2017 vorgelegten Studie schoben Bistum und Jesuiten sich die Verantwortung für den Priester damals gegenseitig zu. Nach intern bekannt gewordenen Missbrauchsfällen versetzte das Bistum Pater R. immer wieder in andere Gemeinden, ohne über den tatsächlichen Grund zu informieren. Dem Priester wurde der Umgang mit Kindern und Jugendlichen nicht verboten und seine Arbeit nicht kontrolliert. Eine Strafanzeige wurde nicht gestellt. Das Bistum und der Jesuitenorden hätten eine Gefährdung Minderjähriger durch den Geistlichen über lange Zeit wissentlich in Kauf genommen, hieß es in der Studie.

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer räumte am Mittwoch ein, dass die Kirche über Jahrzehnte viel zu wenig getan habe, um Peter R. für die ihm zur Last gelegten Taten zur Verantwortung zu ziehen und um Menschen vor sexuellen Übergriffen zu schützen. "Frühzeitiges und konsequentes Handeln hätte höchstwahrscheinlich vielfaches Leid verhindert und eine rechtzeitige Strafverfolgung durch staatliche Ermittlungsbehörden ermöglicht, doch das ist nicht passiert." Inzwischen habe das Bistum seine Lehren daraus gezogen und gehe professioneller und mit externen Experten gegen Missbrauch vor.