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Kirche - Stuttgart

Synode ringt um Kompromiss bei Segnung homosexueller Paare

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Stuttgart (dpa/lsw) - Während in anderen Landeskirchen mit der "Trauung für alle" homosexuelle Paare heterosexuellen gleichgestellt sind, streiten Mitglieder der Evangelischen Landeskirche in Württemberg um deren Segnung. Der Konflikt schwelt seit langem. Am Samstag will die Synode als Kirchenparlament über einen Gesetzentwurf abstimmen, der einzelnen Gemeinden öffentliche Segnungen ermöglichen soll.

2017 war der Vorstoß gescheitert, diese Segnungen landeskirchenweit als Amtshandlung einzuführen. Die erforderliche Mehrheit in der Landessynode wurde um zwei Stimmen verfehlt. Auf dieser Grundlage hätte jeder Kirchengemeinderat selbst entscheiden können, ob in der Gemeinde gleichgeschlechtliche Paare gesegnet werden. In dem neuen Gesetzentwurf soll nur ein Teil der Kirchengemeinden ihre Gottesdienstordnungen auf Wunsch entsprechend ändern dürfen.

In jedem Fall wird die Segnung in Württemberg nicht mit einer Trauung zwischen Mann und Frau gleichgestellt werden - anders als beispielsweise bei der Landeskirche Baden. Auch in den Landeskirchen Oldenburg oder Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz können homosexuelle Paare in einem Gottesdienst getraut werden. In anderen Landeskirchen sind Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare im öffentlichen Gottesdienst möglich - mit Ausnahme von Schaumburg-Lippe und Württemberg. Hier gibt es Segnungen bislang nur im kleinen Rahmen und ohne Kirchengeläut.

Sollte das Gesetz in Kraft treten, sich aber mehr als ein Viertel der evangelischen Gemeinden in Württemberg für eine öffentliche Segnung aussprechen, wäre doch eine landeskirchenweite Regelung nötig. Dann müsste sich die Synode erneut beraten - und mit Zweidrittel-Mehrheit beschließen. So sieht es die Verfassung vor. Derzeit gibt es in der Landeskirche rund 1300 Gemeinden - einem Viertel entsprechen 325 Gemeinden. Für Segnungsgottesdienste offen erklärten sich nach Angaben der Landeskirche derzeit etwa 90 Gemeinden.

Der neue Gesetzentwurf sieht auch die Möglichkeit eines öffentlichen Segnungsgottesdienstes für Menschen des dritten Geschlechts vor, die also weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht angehören.

Die Frühjahrstagung der Württembergischen Evangelischen Landessynode beginnt am Donnerstag. In einer ersten Lesung wird das Gesetz am Freitag behandelt. Ein Entscheidung wird es erst am Samstag geben.