bedeckt München 27°

Kirche - Speyer

225 Jahre nach Zerstörung: Überrest von Marienstatue

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Speyer (dpa/lrs) - Vor genau 225 Jahren haben französische Revolutionäre eine Marienstatue des Speyerer Doms zerstört - nun ist ein Jesusfüßchen als einziger erhaltener Rest des Gnadenbildes zurück in die Kirche gebracht worden. Normalerweise liegt der 23,5 Zentimeter lange Unterschenkel mit einem Kinderfüßchen in einem Tresor, wie das Bistum Speyer am Samstag mitteilte. Die Marienstatue war am 19. Januar 1794 zerstört worden.

"Der materielle Wert des Füßchens ist gleich null", erklärte Domkapitular Peter Schappert laut Mitteilung. "Aber es ist für uns von hohem Wert, da es zeigt, dass der Glauben weiter geht. Trotz der zeitweisen Säkularisierung des Doms und der Auflösung des Bistums gibt es die Diözese und den Dom immer noch."

Das Füßchen ist aus Lindenholz, umhüllt mit Leinwand und Gips. Die Kunsthistorikerin Anke Elisabeth Sommer erläuterte: "Der Dom ist der Gottesmutter geweiht. Deshalb ist anzunehmen, dass es dort immer eine Marienstatue gab."

Von der Zerstörung des Gnadenbildes 1794 berichtete laut dem Bistum Speyer der protestantische Pfarrer Johann Adam Mayer als Zeitgenosse: Beim Pflanzen eines Freiheitsbaums "wurden dabei unter großem Jubel der hiesigen Garnison das bekannte Bild des heiligen Bernhardus und der Jungfrauen Maria, die Cruzifixe, Chorbücher und was dergleichen in der Domkirche befindlichen Sachen waren, verbrannt".

Zuvor war das Füßchen des Jesuskindes auf dem Arm der Gottesmutter abgebrochen, wie Kunsthistorikerin Sommer sagte. Eine Schwester des Klosters St. Magdalena habe es gerettet. In den Speyerer Dom zurückgekehrt sei das Füßchen erstmals wieder 1930 zum 900. Jahrestag der Gründung der großen Kirche. Damals schuf auch laut Sommer der Münchener Bildhauer August Weckbecker ein neues Gnadenbild, das von Papst Pius XI. gesegnet und dem Dom geschenkt wurde.