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Kirche - Münster

Durchwachsenes Fazit vor Ende des Kirchenstreiks

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Münster (dpa/lnw) - Die Initiatorinnen des Kirchenstreiks "Maria 2.0" ziehen zwei Tage vor Ende der Aktion ein gemischtes Fazit. "Es war wunderbar, wie viele Menschen mitgemacht haben und unsere Sehnsucht nach Veränderungen in der Kirche geteilt haben", sagte Andrea Voß-Frick der Deutschen Presse-Agentur in Münster. Kopfschütteln habe allerdings das lange "laute Schweigen" und dann die Reaktion einiger Bischöfe bei den Frauen verursacht, sagte Voß-Frick. Sie hatte zusammen mit einer Gruppe von 15 Frauen von Münster aus die Bewegung angestoßen.

Bundesweit hatten daraufhin mehrere 1000 Frauen eine Woche lang keine Kirchen betreten und aus Protest gegen männliche Machtstrukturen und dem Umgang mit sexuellem Missbrauch ihre ehrenamtlichen Aufgaben in der katholischen Kirche nicht ausgeübt. Auch fordern sie Zugang für Frauen zu allen Weiheämtern und die Aufhebung des Pflichtzölibats für Priester. Genaue Zahlen können die Initiatoren in Münster nicht nennen, weil die Aktion nicht zentral gesteuert wurde.

Gesprächsangebote einiger Bischöfe seien durchaus positiv aufgenommen worden. "Bei anderen Reaktion zeigt sich die große Angst der Kirche. Auf Äußerungen wie, 'ein Streik ist die falsche Form' oder jetzt 'ist der falsche Zeitpunkt' reagieren die Frauen nur noch mit Kopfschütteln", sagte Voß-Frick. Von ihrem eigenen Bischof Felix Genn hatte sie bis Donnerstag keine Rückmeldung erhalten.

Nach Angaben der kfd Münster (Katholische Frauengemeinschaft) gab es im Bistum Münster in knapp 30 Orten Veranstaltungen im Rahmen des Kirchenstreiks. Thomas Throenle, Sprecher des Bistums Paderborn, zeigte Verständnis für das Anliegen der Frauen. "Das Erzbistum Paderborn hat sich bereits auf den Weg gemacht, Veränderungen einzuleiten. Menschen, die Veränderungen wollen und vorantreiben, begegnen aber auch immer Menschen, die den jetzigen Stand bewahren möchten oder Angst vor Veränderungen haben", sagte auf Anfrage der dpa.

Petra Dierkes, Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge des Erzbistums Köln, verweist auf das von Erzbischof Rainer Maria Woelki nach seinem Amtsantritt geäußerte Anliegen, dass Frauen in Führungs- und Entscheidungspositionen aufsteigen sollen. "Die Initiative Maria 2.0 hat ihren Ursprung in dem Entsetzen über die Erkenntnisse zum sexuellen Missbrauch in der Kirche. Diese Erschütterung teile ich voll und ganz und auch den Impuls, dass sich hier vieles ändern muss", sagt Dierkes zum Kirchenstreik. Dass ohne Frauen in der Kirche vieles nicht laufen würde, könne die Aktion "Maria 2.0" zu einer Erfahrung machen, teilte Dierkes mit.

Ob und wie der Kirchenstreik nach Ablauf am Samstag fortgesetzt wird, sei noch offen, sagte Voß-Frick. Die Gruppe in Münster werde sich zeitnah beraten. Es gebe verschiedene Optionen. "Entweder wiederholen wir die Aktion jeweils im Mai, oder wir einigen uns auf kürzere Abstände. Wichtig ist, dass wir auch in Zukunft Dinge sichtbar machen und dass wir das Netzwerk, dass jetzt durch diesen Kirchenstreik entstanden ist, weiter ausbauen" sagt die Katholikin aus Münster.