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Kirche - Mainz

Bischof: gemeinsame Standards bei Aufklärung von Missbrauch

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Mainz (dpa/lrs) - Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hofft, dass die Deutsche Bischofskonferenz einen gemeinsamen Weg zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen einschlagen wird. Vier Tage vor Beginn der Frühjahrs-Vollversammlung der Bischöfe in Lingen im Bistum Osnabrück sagte Kohlgraf am Donnerstag in Mainz: "Wir werden hoffentlich zu gemeinsamen Standards finden in der Bischofskonferenz." Die Umsetzung sei dann Sache der einzelnen Diözesen.

Das Bistum Mainz hat eine Beratergruppe eingesetzt, der neben Bischof Peter Kohlgraf und Weihbischof Udo Bentz auch Vertreterinnen der Kriminalpolizei, des Mädchenhauses Mainz und des Trauma-Instituts Mainz sowie eine Rechtsanwältin angehören. "Die Liste der möglichen Fälle ist beim Staatsanwalt", sagte Kohlgraf. "Er wird uns sagen, welche Akten er noch braucht." Nach Angaben des Bischofs handelt es sich um 199 Fälle im Bistum Mainz, die zum Teil bis zum Zweiten Weltkrieg zurückreichen. Beschuldigte sind sowohl Priester und Diakone als auch Laienmitarbeiter.

Mit Blick auf innerkirchliche Reformen als Konsequenz aus der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch sagte Kohlgraf, es müsse genau untersucht werden: "Welche systemischen Bedingungen haben zu welchen Taten geführt?" Die Diskussion über das Gebot der Ehelosigkeit von Geistlichen müsse aber entemotionalisiert geführt werden. "Da muss mit Sachverstand rangegangen werden."

Für ihn persönlich sei der Zölibat eine wertvolle Lebensform, sagte Kohlgraf. Er könne sich aber auch vorstellen, dass es künftig vermehrt "außerordentliche Wege zum Priestertum" gebe.

"Viele Menschen sind enttäuscht von der Kirche", sagte Kohlgraf. "Insofern ist es ein Thema, das noch viele Jahre uns beschäftigen wird."