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Kirche - Lindau (Bodensee)

Evangelische Landessynode zu Waffenhandel und Missbrauch

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Lindau (dpa/lby) - Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat zum Auftakt der Frühjahrssynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern eine Eindämmung der Waffenexporte gefordert. "In Afrika gibt es keine Waffenproduktion, und dennoch haben wir an vielen Ecken dort Kriege, weil die Waffen von uns Europäern und Industriestaaten geliefert werden. Hier ist Umkehr angesagt", sagte Müller am Montag in Lindau. Auch Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm kritisierte den Waffenhandel. "Dass Deutschland noch immer weltweit viertgrößter Waffenexporteur ist, ist keine Erfolgsmeldung, sondern ein moralisches Armutszeugnis."

Die Tagung des evangelischen Kirchenparlaments beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Frieden. Zu Beginn ging es auch um Missbrauchsfälle in der Kirche. Bedford-Strohm forderte erneut eine konsequente Aufklärung: "Für mich ist klar, dass wir zuallererst vor der eigenen Tür kehren müssen." Ein Kirchengremium habe die Arbeit aufgenommen und sich mit Opfern getroffen.

Bei der Aufarbeitung gehe es nicht um Schnelligkeit, sondern vorerst um Sorgfalt. "Wir wollen eine bestmögliche Aufklärung, um für die Zukunft daraus lernen zu können und vor allem, um Opfern von sexualisierter Gewalt so weit wie möglich gerecht zu werden", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Die mehr als 100 Mitglieder der Synode beraten bis Donnerstag auch über weitere Themen der Landeskirche. "Es ist eine Zukunftssynode, über die sich ein großes Thema spannt", sagte die Präsidentin der Landessynode, Annekathrin Preidel. Im Mittelpunkt steht ein grundlegendes Reformvorhaben, mit dem die evangelische Kirche neue Mitglieder erreichen will.

Darüber hinaus soll es um die Altersversorgung von Kirchenbeamten gehen. Ein Vorschlagspapier fordert eine längere Lebensarbeitszeit für Pfarrer und niedrigere Pensionen. Bis zum Tagungsende soll zudem über die Vernetzung von Berufsgruppen wie Pfarrer, Diakonen oder Religionspädagogen debattiert sowie ein Klimaschutzkonzept beschlossen werden.