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Kirche - Leer (Ostfriesland)

Pastor der Wendezeit Hans-Jürgen Sievers gestorben

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Leipzig (dpa) - Der Leipziger Pfarrer der Wendezeit, Hans-Jürgen Sievers, ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 75 Jahren in Leipzig, wie das Landeskirchenamt der Evangelisch-reformierten Kirche am Donnerstag in Leer (Ostfriesland) mitteilte. Seinem Mut war im Jahre 1989 zu verdanken, dass ein Film von der großen Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober gemacht werden konnte und anschließend um die Welt ging.

Sievers erlaubte zwei jungen ihm unbekannten Männern zusammen mit dem Hausmeister auf den Turm seiner evangelisch-reformierten Kirche zu steigen und zu filmen. Ein nicht ungefährliches Unterfangen, denn wie der Staat reagieren würde, wusste er nicht.

Siegbert Schefke und Aram Radomski drehten von dort aus, als 70 000 Menschen um den Ring liefen und riefen "Wir sind das Volk". Sie übergaben den heimlich gedrehten Streifen einem "Spiegel"-Reporter, am Tag darauf wurden die Bilder in den ARD-"Tagesthemen" ausgestrahlt. Damit sahen Millionen DDR-Bürger, was im Lande vor sich ging. Die Namen der beiden habe er erst Jahre später zum ersten Male gehört, sagte Sievers später in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Ich habe nach keinem Namen gefragt in dieser Zeit."

Sievers erklärte laut Mitteilung des Landeskirchenamtes später den 9. Oktober 1989 als eigentlichen Tag des "Sieges der Revolution". Den 70 000 Demonstranten standen 8000 Polizisten und auch Soldaten der Nationalen Volksarmee gegenüber. Diese kamen nicht zum Einsatz. "Das Wunder von Leipzig", erinnerte sich Sievers anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls laut der Mitteilung.

Der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Martin Heimbucher, würdigte die Verdienste von Sievers. Mit ihm habe die Evangelisch-reformierte Kirche einen gradlinigen und glaubwürdigen Zeugen der bewegten und bewegenden Wendezeit verloren. Seine Predigten aus dieser Zeit beeindruckten mit ihrem Mut und ihrer Besonnenheit. "Die biblisch geerdeten und politisch hellwachen Worte Hans-Jürgen Sievers' haben eine orientierende Kraft entfaltet", betonte Heimbucher.

Sievers war von 1974 bis zu seinem Ruhestand im Jahre 2005 Pfarrer der Leipziger Gemeinde. Sie war jahrzehntelang in der DDR selbstständig und hatte sich nach dem Mauerfall der Evangelisch-reformierten Landeskirche mit Sitz in Leer angeschlossen. Nach dem Mauerfall engagierte sich Sievers beim Runden Tisch.