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Kirche - Hildesheim

Hildesheim: Keine weiteren Vorwürfe gegen Ex-Bischof Janssen

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Hildesheim (dpa/lni) - Vier Monate nach Bekanntwerden eines zweiten Missbrauchsvorwurfs gegen den Hildesheimer Altbischof Heinrich Maria Janssen hat sich bislang niemand mit weiteren Vorwürfen gemeldet. Ein weiteres mögliches Opfer habe sich zunächst nicht gemeldet, teilte das Bistum mit. In Kürze sollen erneut Experten beauftragt werden, um den Vorwurf gegen den 1988 gestorbenen Geistlichen zu prüfen. Nach einem ersten Missbrauchsvorwurf eines ehemaligen Messdieners gegen Janssen hatte das Bistum vor zwei Jahren ein Institut mit einer Untersuchung beauftragt. Trotz intensiver Nachforschungen ließ sich der Vorwurf nicht mehr erhärten, da sich keine Zeugen mehr fanden.

Im vergangenen November aber schilderte ein heute 70-jähriger Mann dem Bistum, dass er Ende der 50er Jahre als damaliges Heimkind von Bischof Janssen aufgefordert worden sei, sich vor ihm auszuziehen. Der Bischof habe ihn anschließend mit den Worten weggeschickt, er könne ihn nicht gebrauchen. Der heutige Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer zeigte sich erschüttert und kündigte eine Klärung an.

Im Interview mit der "Braunschweiger Zeitung" (Mittwoch) räumte Bischof Wilmer zwar einen gewissen Zusammenhang zwischen dem Zölibat, der Ehelosigkeit von Priestern und dem Missbrauch in der Kirche ein. "Es scheint offensichtlich, dass die Kirche durch den Zölibat sexuell unreife Männer angezogen hat. Das verlangt aber nicht die Abschaffung des Zölibates", sagte Wilmer. "Wir müssen die Aufnahmekriterien zum Priesteramt verschärfen, die Ausbildung reformieren", betonte er. Außerdem gebe es auch außerhalb des Priesteramtes Menschen die zölibatär lebten – und zwar ganz gut, sagte der Bischof.