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Kirche - Fulda

Schutz von Dombauten: Technik und Schlüssel für Feuerwehr

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Fulda/Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Ist auch in einem der hessischen Dombauten ein katastrophales Feuer wie in der Pariser Kathedrale Notre-Dame möglich? Die Bistümer verweisen auf Brandschutzmaßnahmen und Prävention. In den vergangenen Jahren wurde gerade bei Sanierungen auf Technik geachtet, die im Ernstfall der Feuerwehr auch Löscharbeiten in mittelalterlichen Gotik-Bauten ermöglicht.

So berichtete das Bistum Fulda, der Dom verfüge über eine Brandmeldeanlage mit Sensoren, die im Notfall Alarm schlagen. Zudem ist eine trockene Steigleitung verlegt, wie es in Fachkreisen heißt. Dabei handelt es sich um Rohre, die Löschwasser bis unters Dach transportieren können. Statt umständlich und zeitaufwendig Schläuche zu verlegen, kann die Feuerwehr im Brandfall ihre Schläuche direkt anschließen und das Löschwasser empor befördern.

"In Fulda haben wir alles an Vorsichtsmaßnahmen unternommen, um vergleichbare Fälle wie in Paris zu verhindern", sagte Alexander Hoffmann, Sprecher des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen. Der Landesbetrieb sorgt in Zusammenarbeit mit dem Bischöflichen Generalvikariat dafür, dass die Sicherheits- und Brandmeldetechnik im Fuldaer Dom verlässlich arbeitet. Die Brandmeldeanlage am Hauptdach des Doms wurde 2014 installiert. Die Kosten dafür betrugen den Angaben zufolge 100 000 Euro. Zuletzt sei die Anlage im Herbst 2018 überprüft worden. Prüfungen fänden jährlich statt. "Betriebssicherheit und Brandschutz stehen für uns an erster Stelle, gerade bei historischen Gebäuden wie dem Fuldaer Dom", sagte Hoffmann.

Doch bei allem modernen Brandschutz: "Solche Kirchengebäude sind im Brandfall eine enorme Herausforderung für die Feuerwehr", sagte Andreas Ruhs, Leiter der Abteilung für präventiven Brandschutz bei der Feuerwehr Frankfurt. Im Fall des Frankfurter Kaiserdoms seien die Voraussetzungen für den Notfall recht gut, da die Einsatzkräfte von drei Seiten aus guten Zugang zu dem Gebäude hätten, in dem einst die deutschen Kaiser gekrönt wurden. Das sei nicht bei allen Kirchenbauten, die sich in die Struktur der eng gebauten mittelalterlichen Stadt einfügten, der Fall. Die Feuerwehr aber benötige Platz, um ihre technischen Geräte einzusetzen.

"Die alten Baumeister wussten aber schon, was sie taten, auch wenn sie keine Brandschutzmaßnahmen kannten, wie wir sie haben", sagte Ruhs. Ganz wichtig sei allerdings die Prävention - auch im Kaiserdom macht die Feuerwehr alle fünf Jahre eine sogenannte Gefahrenbildungsschau, um mögliche Gefahrenquellen aufzuspüren. Bei der Sanierung des Doms wurden zudem Steigleitungen verlegt. Sanierungsarbeiten, wie sie wohl auch in Notre-Dame stattfanden, könnten aber auch vorübergehend das Risiko für ein Feuer vergrößern - etwa durch Funkenflug bei Schweißarbeiten. "Oder möglicherweise sind Brandschutztüren oder sonst verschlossene Wände offen, so dass sich ein Feuer ausbreiten kann."

Der im 13. Jahrhundert geweihte Limburger Dom verfügt nach Angaben des Bistum über eine große Brandmeldeanlage im linken Turm. Zudem gebe es Begehungen. Der verheerende Brand von Notre-Dame sei ein Schock für das Limburger Bistum gewesen, sagte Sprecher Stephan Schnelle. Gleichzeitig habe es gut getan, dass die Katastrophe große Solidarität über gesellschaftliche Gruppen hinweg ausgelöst habe. "Das zeigt, dass Kirchen auch Heimat für Menschen sind. Nicht nur, weil es schöne Gebäude sind, sondern sie auch spirituelle Kraft haben."

Auch im Mainzer Dom sind für den Fall eines Brandes mehrere Vorkehrungen und Verabredungen getroffen. Es gebe drei fest installierte Steigleitungen, also massive Kupferleitungen, mit denen Löschmittel in die Höhe transportiert werden könne, erklärte Jörg Walter, Steinmetz an der Mainzer Dombauhütte. Domdekan Heinz Heckwolf sagte, die Feuerwehr habe zudem einen Lageplan des Domes, um sich möglichst schnell orientieren zu können. An einer verabredeten Stelle liege ein Schlüssel für die Feuerwehr, damit sie bei einem Notfall auf jeden Fall ins Gebäude komme.

Heckwolf sagte, beim Anblick der Bilder aus Paris habe er sich sofort gefragt, was so etwas für den über 1000 Jahre alten, sechstürmigen Mainzer Dom bedeuten würde. Neue Sicherheitsvorkehrungen würden aber deswegen nun nicht ergriffen. Vor einigen Jahren sei bei Dacharbeiten auf der Südseite mal eine abgelegte Decke durch einen heißen Scheinwerfer in Brand geraten. Eine aufmerksame Anwohnerin habe das Feuer entdeckt, Alarm geschlagen und die Feuerwehr habe es schnell eindämmen können. Eine Herausforderung sei, dass der Dom an mehreren Seiten nicht freistehe, sondern umbaut sei, sagte Heckwolf. Das Bistum Mainz liegt zu großen Teilen auf hessischem Gebiet.

Nach Angaben Heckwolfs ist zwar der Westteil über dem Hauptaltar seit einer Wiederherstellung nach einem Brand im Jahr 1767 aus Stein, also feuerfest. Bei der Dachkonstruktion im Langhaus handele es sich indes um Holz.