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Kirche - Dresden

Evangelische Kirche: Fünf Glocken mit Bezug zur Nazi-Zeit

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Dresden/Chemnitz (dpa) - In fünf evangelischen Kirchen in Sachsen hängen Glocken mit Symbolen oder Inschriften aus der Zeit des Nationalsozialismus. Das bestätigte das Evangelisch-Lutherische Landeskirchenamt Sachsen in Dresden am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. "Wir können bestätigen, dass zwei Glocken in zwei Kirchgemeinden mit einem christlichen Kreuz und einem darunter liegenden Hakenkreuz mit einem Strahlenkranz gegossen worden sind", teilte Oberlandeskirchenrat Klaus Schurig schriftlich mit.

Darüber hinaus existieren den Angaben nach zwei weitere Glocken von zwei Kirchgemeinden, die Inschriften mit Hinweisen auf die Gründung des "Grossdeutschen Reiches" (1938) enthalten. Eine weitere Glocke trägt eine kriegsverherrlichende Inschrift mit einem theologisch ins Gegenteil verkehrten Bezug auf das Markus-Evangelium (Markus 10,14), teilte Schurig mit.

In welchen Orten die Glocken hängen, wollte die EVLKS nicht bekanntgeben. Man wolle zuerst mit den Kirchgemeinden in Kontakt treten, hieß es zur Begründung. "Die Glocken gehören zu den wenigen Zeitzeugen, die mahnend daran erinnern, dass das deutsche Volk - und damit auch große Teile unserer Kirche und unserer Kirchgemeinden - in die unselige Geschichte des Nationalsozialismus verstrickt war", erklärte Schurig.

Die Mitteldeutsche Kirchenzeitung "Glaube+Heimat" aus Weimar hatte in einer Vorabveröffentlichung ihrer am 9. Juni erscheinenden Ausgabe berichtet, dass es in Sachsen in vier Kirchen Glocken mit Inschriften und Glockenzier aus der Zeit des Nationalsozialismus gibt. Die Zeitung berief sich dabei auf den Beauftragten der evangelischen Landeskirchen beim Freistaat Sachsen, Oberkirchenrat Christoph Seele.

Über den weiteren Umgang mit den durch den Bezug auf die NS-Zeit belasteten Kirchen soll nun beraten werden. Eine abschließende Bewertung steht laut Schurig noch aus. Das Landeskirchenamt werde mit den Kirchgemeinden in einen Diskussionsprozess eintreten, wie mit dem Erbe aus der Zeit des Nationalsozialismus bislang umgegangen worden sei und werde.

Allerdings ließ der Oberlandeskirchenrat keinen Zweifel daran, dass die Aufarbeitung der Geschichte im Zusammenhang mit der derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklung geschehen soll. "Die derzeitige öffentliche Diskussion hat in das Bewusstsein gerückt, was nicht mehr ausreichend im Bewusstsein war und nicht geleugnet werden darf: Es gab viel zu wenig Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur und viel zu viel innere Zustimmung für einen Weg, der in die Katastrophe führte", betonte Schurig.

Die überwiegend für Thüringen und Sachsen-Anhalt zuständige Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM) hatte im April beschlossen, dass Glocken mit Nazi-Bezug auf ihrem Gebiet nicht mehr läuten sollen. Sechs der insgesamt neun Glocken hätten zu dem Zeitpunkt bereits geschwiegen.

2017 hatte eine Kirchenglocke mit NS-Bezug im rheinland-pfälzischen Herxheim am Berg für Schlagzeilen gesorgt. Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz wies schließlich im Januar 2019 eine Klage eines Bürgers gegen die Glocke ab. Die sogenannte "Hitler-Glocke" darf im Turm der evangelischen Kirche in dem Ort hängenbleiben.

Im niedersächsischen Schweringen hatten 2018 Unbekannte mit einem Winkelschleifer ein Hakenkreuz und einen Teil der Inschrift entfernt und die Glocke dadurch unbrauchbar gemacht.