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Kirche - Dortmund

Steinmeier will bei Kirchentag vor digitaler Spaltung warnen

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Dortmund (dpa) - Mit einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über die Gefahr einer digitalen Spaltung in Deutschland wird der Evangelische Kirchentag in Dortmund am Donnerstag fortgesetzt. Steinmeier will die Bühne bei der Großveranstaltung am Vormittag (11.00 Uhr) nutzen, um Unternehmen und die Politik zu ermutigen, sich aktiv in die Gestaltung der digitalisierten Welt einmischen. Unter der Überschrift "Zukunftsvertrauen in die digitale Moderne" will er laut Bundespräsidialamt auch über die drohende Gefahr einer Spaltung der Lebenswelten bei dem Thema sprechen.

Für den Nachmittag (14 Uhr) ist auf dem Kirchentag ein Podium zur Seenotrettung an den europäischen Grenzen angesetzt. Palermos Bürgermeister Leoluca Orlando will sich im Gespräch mit Vertretern der evangelischen Kirche und Seenotrettern für eine menschlichere Flüchtlingspolitik und offene Häfen aussprechen. Hintergrund ist die Abwehrhaltung europäischer Staaten gegenüber Migranten, die über das Mittelmeer fliehen wollen, und der restriktive Umgang der italienischen Regierung mit Seenotrettern. Weitere hochkarätig besetzte Podien drehen sich am Donnerstag etwa um die Themen Antisemitismus und Klimaschutz.

Der Kirchentag war am Mittwochabend mit mehreren Gottesdiensten an verschiedenen Orten in Dortmund feierlich eröffnet worden. Bis Sonntag stehen weit mehr als 2000 Veranstaltungen auf dem Programm, erwartet werden insgesamt 118 000 Teilnehmer. Unter der Losung "Was für ein Vertrauen" geht es um die Verunsicherung in Teilen der Gesellschaft, um sozialen Zusammenhalt, Gerechtigkeit, Zuwanderung, Integration sowie den Umwelt- und Klimaschutz. Viele Prominente aus Politik, Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur haben sich angekündigt. Am Samstag wird Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Dortmund erwartet.

Steinmeier hatte zur Eröffnung mehr Engagement und Einmischung angemahnt. "Wir wollen die Welt nicht nur beschreiben, wir wollen sie erst recht nicht nur beklagen, sondern wir wollen sie (...) zum Besseren verändern", sagte er bei der Eröffnung des fünftägigen Glaubensfestes und sprach sich zudem für eine vielfältige Gesellschaft aus. Vertrauen solle Menschen aller Glaubensrichtungen entgegengebracht werden, auch muslimischen und jüdischen Bürgern. "Sie vertrauen unserem Land - und haben selbst Vertrauen verdient."

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte, der Kirchentag stoße wichtige Diskussionen an und diskutiere die Fragen der Zeit. Die Kirche leiste damit einen "enormen Beitrag zur Bewältigung der anstehenden Zukunftsfragen und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt". In Zeiten von Wandel und Unsicherheit sei die Stärkung des Vertrauens "eine zentrale Herausforderung für unsere Gesellschaft". Bei vielen Menschen habe das Vertrauen in Staat, Kirche und Institutionen abgenommen.