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Kirche - Dortmund

Kirchentag für menschlichere Flüchtlingspolitik

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Dortmund (dpa) - Mit klaren Worten hat der italienische Menschenrechtler und Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, auf dem Kirchentag eine menschlichere Flüchtlingspolitik gefordert. Was auf dem Mittelmeer passiere, sei "eine Schande für Europa", sagte der Italiener am Donnerstag in Dortmund vor Tausenden Menschen. Hintergrund seines kurzfristig aufs Programm gesetzten Auftritts ist der restriktive Umgang der italienischen Regierung mit Seenotrettern und das anhaltende Sterben von Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer. Orlando forderte andere Städte auf, dem Beispiel Palermos zu folgen und sich zum sicheren Hafen für Flüchtlinge zu machen. Gleichzeitig gab er sich optimistisch: Deutschland sei ein starkes Beispiel für Willkommenskultur.

Die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) unterstützt die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch, deren Schiff mit noch 43 Geretteten an Bord nicht anlegen darf und seit Tagen vor Lampedusa im Meer ausharrt. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm forderte, die Menschen unverzüglich an Land zu lassen und einen Verteilmechanismus für weitere Gerettete in ganz Europa zu etablieren - "und das nicht erst im Herbst". Bereits Anfang Juni hatte er Leoluca Orlando in Palermo besucht und in einem gemeinsamen Appell Kommunen zur Aufnahme geretteter Flüchtlinge aufgerufen.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums haben mehr als 50 deutsche Städte und Gemeinden bereits schriftlich erklärt, die Migranten aufnehmen zu wollen. Den Zusagen müssten nun konkrete Taten folgen, sagte Bedford-Strohm. "Es ist unwürdig, Europa verliert seine Seele, wenn wir weiter so machen", betonte er.

Auch Kirchentagspräsident Hans Leyendecker sprach von einer unmenschlichen Flüchtlingspolitik. Man dürfe das Meer nicht jenen überlassen, die aus dem "Mittelmeer einen Friedhof der Menschenrechte" machten, sagte er. "Es ist ein Verbrechen, wenn sich Europa vor Flüchtlingen durch tote Flüchtlinge schützt."