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Antisemitismus-Beauftragter: Kippa-Äußerung war Weckruf

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Dortmund (dpa) - Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat seine umstrittene Kippa-Äußerung als "Weckruf" verteidigt. Der Staat tue viel gegen Antisemitismus, aber die Anstrengungen reichten noch nicht, sagte Klein am Donnerstag in Dortmund beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund. Es brauche zudem auch mehr Zivilcourage und Einmischung, genaueres Hinsehen. "Wir müssen auch als Zivilgesellschaft aktiv werden." Das alles habe er deutlich machen wollen. Jüngst hatte seine Äußerung "Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen" viel Kritik ausgelöst. Jüdische Männer tragen die kleine kreisförmige Kopfbedeckung traditionell als Zeichen ihres Glaubens.  

In Dortmund betonte der Bundesbeauftragte, Juden müssten sich durchaus "jederzeit und überall" mit Kippa oder anderen religiösen Symbolen zeigen dürfen. Der Antisemitismusforscher Günther Jikeli schilderte, wachsender Judenhass gehe in Deutschland von vielen Gruppen aus - von Rechts, Links, der Mitte der Gesellschaft und von Muslimen. Vielen Studien zufolge sei dabei das "Niveau" des Antisemitismus unter Muslimen deutlich höher als bei Nicht-Muslimen.

Jikeli kritisierte, dass Polizeistatistiken ungenau seien, weil fast alle Fälle, die sich keinem Täterkreis zuordnen ließen, einfach auf das rechtsextreme Konto verbucht würden. Dagegen zeigten Umfragen unter Juden, dass Antisemitismus vor allem von Muslimen ausgehe - und das entspreche auch dem Gefühl der jüdischen Community, wie Befragungen belegten. Die Zahl antisemitischer Straftaten war 2018 bundesweit um fast 20 Prozent auf 1799 Fälle gestiegen.