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Gesellschaft - Magdeburg

Sachsen-Anhalterinnen arbeiten häufiger Teilzeit

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Magdeburg (dpa/sa) - Sachsen-Anhalterinnen sind im bundesweiten wie auch im ostweiten Vergleich besonders häufig sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Allerdings wächst die Teilzeit, während die Vollzeitbeschäftigung zurückgeht, wie eine am Mittwoch in Magdeburg vorgestellte Analyse der Arbeitsagenturen zeigt. Danach sind in Sachsen-Anhalt fast 62 Prozent der Frauen zwischen 15 und 65 Jahren entweder sozialversicherungspflichtig oder geringfügig beschäftigt. Bundesweit seien es knapp 57 Prozent, im Osten Deutschlands 60,8 Prozent.

Allerdings beruhe das Beschäftigungswachstum bei den Frauen in den vergangenen Jahren auf Teilzeitjobs. Um 14,9 Prozent auf etwa 188 500 sei die Zahl der teilzeitbeschäftigten Frauen zwischen 2013 und 2018 gestiegen, während gleichzeitig die Zahl der weiblichen Vollzeitbeschäftigten um 5,7 Prozent auf rund 203 900 zurückging. Bei den Männern hingegen hätten sowohl Teil- als auch Vollzeitbeschäftigung zugelegt. Den Zahlen zufolge sind fast viermal mehr Frauen teilzeitbeschäftigt als Männer.

Der Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt, Kay Senius, sagte: "Für den Arbeitsmarkt heißt das auch, die Potenziale der Frauen sind noch immer nicht ganz erschlossen. Das ist in einer Zeit, wo uns Fachkräfte fehlen und wo Arbeitskräfte aufgrund der demografischen Entwicklung auch immer knapper werden, ein Feld, dem wir uns als Arbeitsverwaltung besonders zuwenden müssen."

Senius erklärte: "Teilzeit heißt in Ostdeutschland nicht unbedingt, ich arbeite 50 Prozent der Arbeitszeit, das ist eher das Modell in Westdeutschland. Teilzeitbeschäftigung von Frauen heißt in Ostdeutschland eigentlich, ich arbeite deutlich über 50 Prozent. Das geht dann schon in die 25, 30, manchmal auch 35 Stunden hinein." Grundsätzlich gehe es den Frauen darum, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Oft verwehre die Rollenverteilung innerhalb der Familie den Frauen auch, länger arbeiten zu gehen.

"Dazu kommt, dass Frauen öfter in Jobs arbeiten, in denen es grundsätzlich einen hohen Teilzeitanteil gibt", sagte Senius. Frauendomänen seien nach wie vor die Pflege, Gastronomie, Erziehung, der Verkauf und Büroarbeitsplätze.

Die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit hat auch einen Blick auf die Einkommen von Frauen geworfen. Demnach lag das mittlere Brutto-Entgelt bei sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigten Frauen in Sachsen-Anhalt bei 2525 Euro, während Männer 2480 Euro und damit 45 Euro weniger verdienten. Das habe damit zu tun, dass vollzeitbeschäftigte Frauen oft im öffentlichen Dienst und im Bildungsbereich arbeiteten.

Die vielen Teilzeit-Beschäftigten eingerechnet, ergebe sich aber ein anderes Bild, zumal viele Frauen im Niedriglohnsektor beschäftigt seien. Senius verwies auf Zahlen des Statistischen Landesamts, nach denen Männer in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 3000 Euro verdienten und Frauen rund 2500 Euro.

Die Vorsitzende des Landesfrauenrats Sachsen-Anhalt, Eva von Angern betonte, dass sich die niedrigen Löhne in Kombination mit den geringen Arbeitszeiten bei vielen Frauen problematisch auf die Altersversorgung auswirkten. Sie forderte eine Erhöhung des Mindestlohnes, davon würden Frauen besonders stark profitieren. Der Arbeitsmarkt sei ein wichtiger Faktor mit Blick auf das Thema Altersarmut. Gemeinsam mit Senius wies die Linken-Landtagsabgeordnete auf die schwierige Situation vieler Alleinerziehender im Land hin. Mehr als 40 Prozent der Ein-Eltern-Familien seien auf die Grundsicherung angewiesen.