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Gesellschaft - Hamburg

Württemberger lieben ihre Arbeit: Badener eher ihr Einkommen

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Stuttgart/Karlsruhe (dpa/lsw) - Kaum Arbeitslosigkeit, eine geringe Pflegequote, hoher Anteil an Partnerschaften - die Württemberger müssten zu den glücklichsten Menschen der Republik gehören. Doch im "Glücksatlas 2018" der allgemeinen Lebenszufriedenheit, der am Donnerstag vorgestellt wurde, belegt das vergleichsweise wohlhabende Völkchen gerade mal wieder nur Platz 11 unter 19 deutschen Regionen. Und was ist mit den Badenern los? Zählten sie im vergangenen Jahr noch zu den Top 3, rutschten sie auf Platz 6 ab, überholt von Hessen, Franken und Nordrhein-Westfalen. Die achte Studie dieser Art wurde vom Freiburger Sozialökonomen Bernd Raffelhüschen im Auftrag der Deutschen Post erstellt.

Wo leben die glücklichsten Deutschen?

Die Lebenszufriedenheit ist auf relativ hohem Niveau geblieben, was Raffelhüschen im Wesentlichen mit der starken Konjunktur und der guten Beschäftigungslage begründete. Auf auf einer Skala von 0 (ganz und gar unzufrieden) bis 10 (ganz und gar zufrieden) blieb die Berechnung der Lebenszufriedenheit für dieses Jahr bei 7,05 Punkten (Vorjahr: 7,07). In Schleswig-Holstein leben seit 2013 laut Atlas die zufriedensten Menschen (7,44), gefolgt von Hamburg (7,36) und Hessen (7,27). Das Schlusslicht des Vorjahres, Sachsen-Anhalt (6,88), tauschte mit Brandenburg (6,84) erneut die Plätze am Tabellenende.

Warum schwächeln die Badener?

Am Einkommen kann es nicht liegen, dann damit ist man in Baden so zufrieden wie in kaum einer anderen Region (Platz 2). Wären diese hohen Wohnkosten nicht, gehörten die Badener vermutlich zu den glücklichsten Menschen Deutschlands. Lediglich Rang 17 unter den 19 Regionen in der Kategorie "Wohnen und Freizeit" dürfte eine Ursache sein, warum Baden im Atlas 2018 etwas aus der Spitzengruppe abrutschte. Auch bei der Zufriedenheit mit ihrem Arbeitsplatz erreichten die Badener diesmal nur unterdurchschnittliche Werte. Auffällig: Die Über-65-Jährigen sind in Baden so glücklich wie fast nirgendwo sonst in Deutschland - geschlagen nur von Niedersachsen.

Was fehlt den wohlhabenden Württemberger zum Glück?

Im Gegensatz zu den Badenern landen die Württemberger gerade in den Kategorien "Wohnen" und "Arbeit" sogar in der jeweiligen Spitzengruppe, überflügelt jeweils nur von den Regionen im Nordwesten. Hohes Pro-Kopf-Einkommen ist aber nach Ansicht von Glücksforschern "ab einer bestimmten Schwelle" kein Indikator mehr für Lebenszufriedenheit, wie Professor Hagen Krämer, Diplom-Ökonom von der Hochschule Karlsruhe Technik und Wirtschaft erklärte. Für die Lebenszufriedenheit zählten eher Faktoren wie Familie, Freundschaft, gesellschaftlicher Zusammenhalt und schöne Erlebnisse. Auffällig: Fragt man nur die Frauen, kommen die Württembergerinnen bei der allgemeinen Zufriedenheit sogar nur auf Rang 14 (Baden: 7).

Was macht den Unterschied zwischen Baden und Württemberg aus?

Krämer bezweifelt zwar mangels Masse an Befragten die Aussagekraft des Glücksatlas' für die 19 Regionen etwas, eine Idee hat er aber dennoch: "Es scheint so zu sein, dass die Badener doch ein wenig mehr den angenehmen Dingen des Lebens zugeneigt sind und die Sachen entspannter angehen." Als Norddeutscher lebt Krämer seit 20 Jahren in Baden und hat vorher fünf Jahre lang in Stuttgart gelebt - kennt also beide Völkchen, wie auch deren Stereotypen. Raffelhüschen führt "regionale Mentalität" an - "denn diese ist für rund die Hälfte aller Zufriedenheitsunterschiede zwischen Menschen verantwortlich."

Warum macht Geld allein nicht glücklich?

Weil eben nicht jeder erfolgreich sein könne, so Krämer. "Nur wenige können oben stehen." Auch erfolgreiche Menschen müssten ständig kämpfen, um oben zu bleiben. "Für die gesamte Gesellschaft ist Erfolg daher ein Nullsummenspiel." Dies sei bei einem guten Sozialleben anders: Von den schönen Dingen des Lebens kann man nie genug kriegen, sie nutzen sich nicht ab. Die Platzierung der Württemberger erneut nur im unteren Mittelfeld lasse sich somit auch dahingehend interpretieren, dass das hohe Pro-Kopf-Einkommen der Württemberger möglicherweise durch zu große Arbeitsanstrengungen erworben wurde.